24. Dezember

24.12.2022

24. DezemberZu Weihnachten für meine Leserinnen und Leser ...


Drinnen, am Tisch hatten sich schon alle erhoben, umstanden den Botschafter, dessen Aufbruch unmittelbar bevorstand, der Attaché lief beflissen herum, telefonierte nach dem Wagen, Herr Philipp hielt Schirm und Mantel bereit, aber der Botschafter sprach noch immer mit Hans, eine Hand auf seinen Arm gelegt, ich sah ihn an, auch auf seinem Gesicht lag diese Müdigkeit des Fremden, aber seine Muskeln waren nicht erschlafft, sondern straff, streng, und da, blickte er nicht kurz zu mir, grüßte mich mit den Augen, deren Lider geschwollen, rot entzündet waren, als hätte er geweint, dabei war es sicher nur Erschöpfung, zu wenig Schlaf, wochenlang, aber mein Herz schlug hellauf, ich dachte, ja, ja, stehen wir also noch in geheimem Bündnis, trotz allem immer noch, siehst du mich noch an, und Max, an der Seite, in deiner Nähe und dir zur Seite, als gäbe er dir Schutz und Deckung, ist nichts als der Bote zwischen uns, und es liegt nur an mir, den Code endlich zu entschlüsseln, damit die Botschaften, diese vieldeutigen Zeichen, mich nicht immer in die Irre, damit ich sie endlich verstehe, damit ich endlich weiß, ob ich gebraucht und Teil des Bündnisses oder nur Mittel zum Zweck, und ich ließ den Blick von einem zum anderen, um noch einmal ein Bild, die Essenz des Abends und was an ihm wirklich geschehen, dass ich, wenn nicht jetzt, dann morgen zu Hause, irgendwo, irgendwann das lange Protokoll der Blicke und Worte und Gesten, des Schweigens, die ganze kunstvolle Choreografie zu entziffern verstünde, jetzt nahm der Botschafter Hans’ Hand, hielt sie einen Moment, als wäre es nicht nur ein Abschied, sondern besiegelte dieser Handschlag eine Abmachung, einen Vertrag, nickte Max zu, grüßte flüchtig die Umstehenden und verschwand mit Herrn Philipp und dem jungen Attaché im Gefolge, und sogleich machten sich auch die übrigen auf, der Fremde trat zu mir, fragte, kann ich Sie mitnehmen?, irgendwo absetzen?, wo müssen Sie hin?, ich schüttelte den Kopf, dankte, er sah mir in die Augen, lächelte schüchtern, gab sich einen Ruck, gut, ja dann, vielleicht sehen wir uns noch mal, irgendwann, ja, vielleicht, stand unschlüssig, ich dankte für die Zigaretten, lehnte das noch halbvolle Päckchen, das er mir zustecken wollte, ab, flüchtig berührten sich unsere Hände, ehe seine wieder in die Taschen des Mantels, ich hätte ihm gern mit einer Geste, den Schal um den Hals, mit der Hand durchs Haar, war mir sicher, wir würden uns nie wieder, er ging, die Schultern nach vorn, den Kopf eingezogen, unser Gespräch schon verflogen, die Frage versäumt, wohin er jetzt ginge, wer er eigentlich sei, was er tun, was er an diesem Abend gewollt, warum er mit mir vor die Tür, standen jetzt nur noch zu dritt, Hans und Max und ich, und ich dachte, wo ist Selma, wo ist diese Frau, die ich für Selma jedenfalls gehalten, ihre Tasche hängt noch da, über der Lehne des Stuhls, ich wunderte mich, denn keine Frau lässt ihre Tasche so, auch wenn sie nur zur Toilette, Max sagte, soll ich euch ein Taxi?, aber Hans schüttelte den Kopf, er rieb sich die Augen, danke, wir gehen zu Fuß, bist du sicher?, ja, es ist ja nicht weit, er gab Max die Hand, aber als wir uns zum Gehen, sagte Max, Milena, Ihre Tasche, beinahe hätten Sie sie vergessen, und noch bevor ich protestieren konnte, hatte Hans sie mir schon über die Schulter, Hans, der doch weiß, dass ich Handtaschen nicht und nie eine und dem es nicht entgangen sein konnte, dass ich ohne gekommen und dass diese über dem falschen Stuhl, dem von Selma, nicht dem, auf dem ich, und dass ich diese schon gar nicht, da sie doch überhaupt nicht nach meinem Geschmack, aber da hatte er schon seinen Arm um meine Schulter und schob mich zur Tür, und statt an den Lenker des Fahrrads hätte ich Hans die Tasche am liebsten vor die Füße, so wütend war ich mit einmal, wütend erschöpft, nach diesem langen, viel zu langen Abend voller Qualen, den durchzustehen er mir nicht eine Sekunde geholfen, und auch jetzt kein einziges Wort, das mir hülfe zu verstehen, wo ich war, da sagte er leise, nimm sie über die Schulter, bitte, und komm, hier entlang, und ich nahm die Tasche über die rechte Schulter, auf die Seite, auf der ich auch das Fahrrad, und Hans ging zu meiner Linken, schnell, ohne, wie sonst, den Arm um mich zu legen, ging ein, zwei Schritte vor mir, als gehörten wir nicht zusammen, auch jetzt nicht, noch nicht oder nicht mehr, und anders als sonst, als früher, gingen wir nicht durch die stillen Straßen, sondern die breiten Alleen entlang, unter den hellen Laternen, und ich sagte zu Hans’ Rücken, habe ich dich blamiert?, warum glaubst du?, das glaubst du immer, warum?, weil du so vor mir her, als ob du dich ärgerst, habe ich etwas falsch?, nein, nein, aber ich hätte dich nicht, du bist enttäuscht, du hast dich gelangweilt?, nein, warum glaubst du?, du schienst angespannt, warst so ernst, hast du mich beobachtet?, Berufskrankheit, du weißt, und ich dachte, also hast du mich doch angesehen, die ganze Zeit, aber du irrst dich, es war nicht Enttäuschung, nicht Langeweile, auch wenn das Gerede oberflächlich und glatt, und ich nicht verstehe, wie du das erträgst, Tag für Tag, Abend für Abend, wie du den Umgang mit solchen Leuten zu deinem Beruf, für mich ist schon ein einziges dieser Essen ermüdend, öde, unendlich anstrengend, wenn ich die Dinge selbst und nicht den Abend als Ganzes, als Inszenierung, als etwas, dessen Aufbau, Struktur ich studieren kann, aber mein Ernst kam nicht von der Anstrengung, mein Gelangweiltsein zu verbergen, das warst doch du, dein Ernst auf meinem Gesicht, mein Gesicht nur ein Spiegel, und ich sagte, ich habe versucht zu verstehen, was?, den Zusammenhang, wer mit wem und warum und warum du unter ihnen, aber es war nicht leicht, all die verschiedenen Sprachen, und die Gespräche so an der Oberfläche, ohne eigentliches Thema, ohne Ziel, das nennt man Gedankenaustausch, ganz zwanglos, und Ziele gab es mehr als genug, und ich dachte, auch du hättest ihn genutzt für deine Ziele, nämlich um Studien zu treiben, so viele Gesichter, so viele Gespräche, so viel zu hören, zu sehen, an dem sich die Mechanismen der Macht, früher mochtest du es, das zu beobachten, und beobachten kann man es ja nur, wenn man nicht involviert, wenn man selbst kein Ziel verfolgt als eben das, es zu betrachten, aber natürlich, es war etwas mehr, du gerietst etwas zu tief hinein, mehr als beabsichtigt vielleicht, zum Beispiel mit jenem Mann, mit dem du vor der Tür, was wollte er?, hast du das?, nein, sagte ich und wurde schon wieder wütend, denn Hans erlaubte keine Frage und verriet nichts, ich aber sollte immer und immer, auf jede Frage eine Antwort, und wie konnte er behaupten, dieser Abend sei vergleichbar mit denen, die wir früher im Café, ich hätte heute wie damals, meine Suppe essend, meinen Tee trinkend, ruhig in seiner Nähe sitzen, die Leute beobachten, die Atmosphäre genießen können, aus der sicheren Distanz, dass ich selbst mit ihnen nichts zu tun?, und in mir staute sich alles zu einem heftigen Ausbruch, allmählich war es zu viel, konnte ich das alles nicht länger, einerseits die Verhöre und umgekehrt das ewige Sei still, da krachte es, wie von Silvesterknallern, ich zuckte zusammen, duckte mich, unwillkürlich, reflexhaft, die Angst schoss mir in den Hals, da hatte Hans mich schon an den Schultern und in den nächsten Hauseingang, wo wir in der Ecke am Boden, die Arme umeinander, während das Rad scheppernd auf den Gehweg, ich sah den Fremden, sah ihn mit einer Pistole im Mund, sah eine Waffe auf mich gerichtet, klammerte mich an Hans, der mir die Handtasche von der Schulter, einen Umschlag, ein Päckchen daraus, sie in die Taschen seines Jacketts, alles okay?, fragte er, während er mit einem Messer die Tür aufdrückte, die Handtasche in den Hausflur warf, komm, sagte er dann, zog mich hoch, fort, aber mein Rad, lass es liegen, aber da hatte ich mich schon los, war schon zu meinem Rad, hob es auf, es hatte einen Platten, Milena, rief Hans flüsternd, es war der Reifen, sagte ich, sieh doch, aber seltsam, so laut, und Hans kam zu mir, lachte, zog mich mit dem Rad aus dem Lichtkegel der Laterne, beugte sich kurz über den Reifen, lass es stehen, sagte er, aber wir können es schieben, lass es hier, wiederholte er, seine Stimme gereizt, aber dann schließe ich es an, sagte ich, suchte nach dem Schlüssel, Hans ging nervös auf und ab, lächelte dabei, drehte sich um, kaum war das Schloss zugeschnappt, nahm er mich an die Hand und lief, geduckt, mich deckend, dabei lachend, als wäre alles ein Spiel, zum nahegelegenen Taxistand, wählte das dritte in der Reihe, gab dem Fahrer gleich einen Schein, fahren Sie, geradeaus, schnell, ich sage Ihnen, wie weiter, gebannt sah er auf die Straße, gab seine Anordnungen nach dem Stand der Ampel, links, rechts, geradeaus, sah in den Rückspiegel, sah sich um, ob uns jemand folgte, erst nach einer Weile beruhigte er sich, lehnte sich zurück, sah mich von der Seite an, lachte, nannte dem Fahrer schließlich eine Straße in der Nähe unserer Wohnung, zahlte, ging, den Arm um mich gelegt, schnell mit mir ins Haus, ohne Licht zu machen die Treppe hinauf.
          Ich will eine Erklärung, sagte ich. Frag Max, sagte Hans, es war seine Idee. Kein Wort mehr. Er nahm den Koffer, der so viele Wochen, ohne dass er ihn einmal berührt, im Schrank, immer tiefer verborgen unter Mänteln und Jacken, dass ich ihn fast hatte vergessen, aber Hans hatte ihn nicht vergessen, er klappte ihn auf, prüfte, ob noch alles darin, Hose und Hemden, Socken und Wäsche, Messer und Löffel, Schale und Topf, die Büchse mit Tee, zog das Päckchen aus der Tasche seines Jacketts, legte es zwischen die Hemden, ließ die Verschlüsse einrasten, schloss sie ab. Dann öffnete er den Umschlag, entnahm ihm Petschaft, Schnur, eine graue Masse, versiegelte damit den Koffer.
          Ich fliege nach Wien, sagte er, und von dort nach Triest und dann weiter in den Süden, ich werde zehn Tage weg sein, bitte pass auf dich auf. Aber was?, rief ich ihm nach, hinunter ins dunkle Treppenhaus, frag Max, kam es als letzter Gruß herauf. Aber Max rief nicht mehr an und stand nicht mehr vor der Tür, mit Nelken oder einem Granatapfel in der Hand, er kam nicht mehr über die Straße am Tiergarten, wo ich auf und ab, ehe ich schließlich allein ins Dunkel, verschluckt wie Hans, Max war nicht mehr im Hotel, hatte keine Nummer, war fort, auf und davon, als wäre er nie, niemand dort wusste und keiner erinnerte sich, obwohl seine Gestalt, weiß und rot, doch so auffällig, und ich wusste nicht seinen Namen, konnte nicht nach ihm fragen, wusste nicht, auf wessen Seite, allein stand ich da, das Etui in der Hand, das Max mir zum Abschied, hatte nur das leere Etui, sein Zigarettenetui mit dem M, kalt und glatt in der Tasche des Mantels, flach unter meiner Hand, seine Härte und Glätte als Beweis, dass ich nicht verrückt, dass ich nicht alles nur geträumt.
          Ich werde zehn Tage weg sein, hatte Hans gesagt, zehn Tage, wenn alles geht, wie geplant. Zehn Tage, das ist ein Drittel des Monats, ein Drittelmonat, fast nichts.
          Ich hatte jedes meiner Papiere hundertmal in der Hand gehabt und wieder abgelegt und wusste nicht mehr, wo und wie sie dagelegen hatten, über der alten Ordnung hatte sich eine neue Unordnung gebildet, und es gelang mir nicht, wieder eine Ordnung herzustellen, ich bin das Gegenteil von Hans, ich habe viele Sachen, ich kaufe gern ein, und überall liegt etwas herum, in meinem Rücken türmen sich die Wäsche und der Abwasch, stehen die leeren Flaschen und Gläser und stapelt sich das Altpapier, liegen monatelang der Mantel und die Bluse, an denen ein Knopf anzunähen ist, der Rock, an dem der Saum mit wenigen Stichen befestigt werden muss, aber bei meinen Papieren herrscht eine penible Ordnung, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, sehe ich die Unordnung nicht, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, sehe ich nur die begonnene Arbeit, die begonnene Arbeit, das Notizbuch, zwei Stifte, Schmierpapier, das Wörterbuch, ein Glas Wasser, den Aschenbecher, die Schale mit dem Kaffee, nichts weiter, weiter nichts, sonst könnte ich nicht einen Satz, und im Moment war die Arbeit ein Theaterstück, die Bearbeitung für eine Off-Produktion, aber ich kam nicht voran damit, ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie man das machte, eine Übersetzung und eine Strichfassung, und ich hatte Schmerzen in der Brust, Schmerzen, die erst besser wurden, wenn ich aufstand und hinausging, und so ging ich spazieren, ging halbe Tage umher, manchmal gleich nach dem Aufstehen, einer Tasse Tee, ohne zu duschen zog ich mir etwas über und ging auf die Straße, und ich versuchte, mich auf die Stadt, die Häuser und Straßen draußen, zu konzentrieren, sie überhaupt zu sehen, die Geschäfte und die Autos und die Menschen, und ich versuchte, den Schmerz in der Brust zu vergessen.
          Aber so lange ich auch ging zwischen den Menschen und Autos, so spät ich es auch werden ließ, irgendwann musste ich zurück in die leere Wohnung, wo nichts war, nichts als die begonnene Arbeit, verschüttet, zugedeckt von Papier, unter Zeitungen, Prospekten, Umschlägen verborgen, damit ich sie nicht sehen, ihr ausweichen konnte, auch das Gehen und Sehen war nur eine Erleichterung und kein Trost, ein Trost konnte nur Hans sein, seine Anwesenheit, Hans und die gelingende Arbeit, die Arbeit aber gelang nicht, sie stockte, sie widerrief sich, und Hans war nicht da, und so konnte niemand ein Trost und eine Hilfe, ich ließ die Tür ins Schloss schnappen, zog die Schuhe aus, hörte den Anrufbeantworter ab, auf dem Hans vielleicht einen Gute-Nacht-Gruß, die Stimme besorgt, da er mich nicht erreicht, nein, kein Gute-Nacht-Gruß, ging in die Küche, wo ich mir allein einen Tee machen und trinken musste, und dann musste ich allein ins Bett und schlafen, ich musste allein frühstücken, einkaufen und kochen, allein die Wäsche waschen und aufhängen, allein die Kräuter gießen, allein das Radio einschalten und ausschalten, allein heizen, allein frieren. Zehn Tage lang, ein Drittel des Monats.
          Ich sah den Postboten unten gehen, er summte vor sich hin, bis hier herauf konnte ich es hören, die Post bringt keinen Brief für dich, und ich dachte, was hat es, dass es so hoch aufspringt, mein Herz? Nun ja, die Post kommt aus der Stadt, aus einer Stadt in eine Stadt, aus seiner Stadt gar, aus Wien, aus Budapest oder aus Triest?, Es-Dur-Getrappel, Waggongeratter, Es-Dur, was war das einmal, warm und dunkel, Rheingoldvorspiel, Eroica, Klarinetten in B und Hörner in F, Präludium und Fuge, dritter Teil der Clavierübung, und auch die Hymne, die alte Kaiserhymne und meine jetzt, seit sechzehn Jahren, Vjutro rano se ja stamen, Malo pred zorom, Haydn, burgenlandkroatisch inspiriert, Ungarns Westzipfel, ungarisches Vierburgenland, und ja, nach Trianon, Deutsch-Westungarn, mit nur noch drei Burgen, denn Ödenburg-Sopron ging per Abstimmung verloren, wurde von den Italienern beaufsichtigt, denen jetzt auch Triest wieder gehörte, wo Hans vielleicht schon angekommen war, wenn er denn nach Triest, wenn er Triest nicht nur zur Tarnung, eine Deckadresse, ein neues Losungswort, für seine Mission was drängst du denn so wunderlich, mein Herz?, Es-Dur, wie werde ich aufstehen, nach diesem hellen Tag, Abendrot vorm Fenster, davor kahles Geäst, Wolkenballen, eine Tasse Tee, der Ofen kalt und im Eimer keine Kohlen mehr, und jetzt schon Nacht, aber noch immer kein Gruß, Gott erhalte, Hans den Fernen, meinen guten lieben Hans, meinst du, ich habe nicht gesehen, was in dem Päckchen, meinst du, ich wüsste nicht, sei still, ja, ja, aber das Rad fort, auch das bicirossa, deine Morgengabe, fort, als vermisst gemeldet, ja, ja, und weiter unten, unten an der Ecke, hast du gesehen?, sei still, ja, ja, ich pass auf mich auf, gehe geduckt aus dem Haus, sehe mich um, ehe ich wieder hinein, bekomme ich eine Dose dafür mit dem Bildnis des Herzenskaisers?, nicht mal in Briefmarkengröße auf einer Ansichtskarte grüßt du zu mir herein, Schlaf ohne Traumbild, woran ich mich hätte halten können, zehn Tage ohne Wort, zehn Tage, ohne dass ich weiß, ob du noch, was drängst du denn so wunderlich, mein Herz?, dein Lächeln, deine Augen, deine Hand über der Decke, auf meiner Schulter, das Hemd abstreifend, vielleicht nie mehr, pass auf dich auf, ja, du auch, den Koffer in der Hand, du auch in Gefahr, den Koffer auf dem Schoß, mit dem Taxi kreuz und quer, auf der Flucht, hakenschlagend, wie aber so am Morgen weiterziehen, ins Textgefecht, Kapitulation, bedingungslos, sofort, will noch mal hinübersehn, nach Wien, nach Temeswar, nach Triest, dorthin flogst du ja, aber wo finde ich dich jetzt, gleich zwei Uhr, schlaf, schlaf endlich, ohne Traumbild.
          Am Morgen kalter Tee in der Kanne und die Scheiben voll Eis. Ich ging in den Keller, holte Kohlen, zwei Eimer voll, brachte die Asche hinunter, kaufte Brot und Käse und Apfelsinen, und hoffte, während meiner Abwesenheit möge eine Nachricht, ein Brief, nein, kein Brief, war gekommen, wie auch sollte etwas in diesen Kasten, an dem kein Name, inkognito, aber der Anrufbeantworter blinkte, und ich hörte, telegrammkurz, alles gut, bin mittags in Triest stop Grand Hotel Duchi d’Aosta stop saluti Nino stop stop stop, wie oft kann man das hören, wozu die Adresse, hier Kohlen und dort vier Sterne, gut, alles, was denn alles, alles, am Ende, erst am Ende, jetzt in Triest, und wo denn davor, und noch in den Süden oder schon zurück, Tag acht, Tag neun, ruft er mich heute Abend an, oder soll ich, darf ich, Triest, 21 Grad, heiter, Wind aus Nordwest, Stärke 1, Veduta di Piazza Unità d’Italia, Veduta di Piazza Verdi, Schneefallgrenze in den Alpen bei 1000 Metern, Alitalia über Mailand, Ankunft 16.25 Uhr.
          Am Tag von Hans’ Rückkehr war ich nicht zu Hause. Ich wollte nicht wartend dasitzen, klopfenden Herzens, elend, ich wollte starken ruhigen Schrittes nach Hause kommen, die Tür aufschließen, nichts fragen, nichts erklären, souverän sein. So war ich ins Kino gegangen, in einen Film von Antonioni. Ich war nicht bis zum Ende geblieben, sondern früher gegangen, wie Hans, der so gern ein paar Minuten vor Ende, als wisse er schon, als wolle er nicht wissen, als wolle er den Film selbst weiter und weiter, er sagte, jedes Ende hat eine Pointe, es ist unmöglich, etwas einfach so, frei, abbrechen zu lassen, ohne dass es abbricht, ohne einen letzten Gedanken, eine letzte Einstellung, einen letzten Satz, eine Quintessenz, eine Verklärung oder ein Resümee, man müsste die Filme so lang machen, dass niemand die Geduld, dass niemand das Gefühl, wenn er einfach hinausginge, etwas zu verpassen, dass er den Film frei ließe und sich frei ließe. Ich stand gleich nach der Szene auf, in der sich Alain Delon und Monica Vitti wieder an ihrer Ecke auf dem E.U.R.-Gelände verabreden, dann aber nicht erscheinen, und verließ den Saal, ungeduldig hatte ich auf diese Szene gewartet, die Gesichter Wange an Wange, der Blick aneinander vorbei in die Kamera, war dann schnell aus dem Kino gegangen, die Straße hinunter, zu Hans, der doch schon, der vielleicht schon, die Fenster erleuchtet, ich würde, wusste ich, wenn ich ruhig ginge, ganz ruhig ginge, etwa zwanzig Minuten brauchen bis zum Haus, ging jetzt aber langsamer, als wüsste ich nicht, wohin, als wäre mir alles gleich, dachte an den Film, dachte, so ist das, man kommt nicht mehr, kommt einfach nicht mehr, geht nicht mehr an den Ort, wo man immer, geht einfach nicht mehr hin, und da ist nur noch die Ecke, die Kreuzung, an der der Bus, die Brücke, die Wohnung, die Fenster nicht mehr erleuchtet, nie mehr erleuchtet, Kälte und Klarheit, wir sehen es, verstehen es, Leere, leere Zeit, nur die Dinge sind da, immer da, und nicht da, wenn keine Zuschauer, und im wirklichen Leben, unserem Leben, keine Zuschauer, niemand, der sieht, zusieht, aber es geschieht, geschieht immerfort, wenn alles gleichgültig, wenn kein Gefühl, wenn kein Gedanke mehr, aber wie das schreiben, wenn niemand sieht, wie das schreiben, ohne es zu beschreiben, unmöglich, eine Erzählung ohne Figuren, leer, eine Erzählung, ohne dass erzählt, je näher ich unserem Haus kam, desto langsamer wurde ich, sah die Menschen auf der Straße, in den hell erleuchteten Restaurants, wie Bilder, bewegte Bilder, gerahmt vom Schwarz des Himmels, die Lichter, die Schatten, die Blätter auf dem Gehsteig, das Moos in den Ritzen zwischen den Platten, den Wind, alles kam mir entgegen, sah mich an, und ich sah plötzlich wieder die Menschen, deren Leben mir zehn Tage lang verschlossen gewesen war, sah, wie sie sich bewegten, hörte ihr Reden und Lachen, sah in ihre Gesichter, ging Umwege ihretwegen, um noch eine Weile im warmen Dunstkreis ihres Lebens zu sein, um noch nicht nach Haus, ging und wurde leicht und frei im Gehen, hätte immer so gehen können, verschwinden, nicht mehr gefunden, aufgefunden werden, fort.
          Als ich schließlich in unsere Straße einbog, war es spät, später, als ich geplant, ich beschleunigte den Schritt, wurde schneller und schneller, als könnte ich sie wieder aufholen, die verlorene Zeit, in der alles gleichgültig, ob Hans da oder nicht da, ob er je wieder zu mir oder ich fort, weit über Land, kurz vor unserem Haus rannte ich schließlich fast, ich sah, die Fenster waren erleuchtet, nicht durch mich wie die Tage davor, die zehn vergangenen Tage, in denen ich das Licht hatte brennen lassen, wann immer ich, um ein paar Schritte, um Brot und Käse, um Raum für ein Wunder, und dann die Tür geöffnet, und niemand, die Wohnung leer, vielleicht hätte ich nicht selbst mit dem Schlüssel, hätte ich klingeln müssen, rufen, hätte sich dann jemand, Hans, aber jetzt waren sie nicht nur erleuchtet, strahlten wie die Leinwand, auf der alles, Ungeheuer und Engel, sondern standen, die Flügel gebreitet, offen, ich sah es schon von weitem, das Zeichen, dass Hans da, und ich rannte die Treppe hinauf, wollte mit dem Schlüssel, den ich schon in der Hand, die Tür, außer Atem, verschwitzt, alles andere als souverän, aber auch die Tür stand offen, sperrangelweit, ich dachte, jetzt, pass auf, pass auf dich auf, jetzt droht Gefahr, dachte, aber wer würde denn, so offensichtlich, dachte, aber dass ich denke, wer würde denn, war schon mitgedacht, und die Falle so offen bereitet, damit sie nur umso besser, damit ich denke, dass sie keine sei, und so auf der Schwelle und an der Wand entlang, tastend, auf alles gefasst, auf nichts gefasst, da nicht wissend, worauf gefasst sein müssen, und dann sah ich Hans, er war da, war wirklich da, in der Küche, rührte in einem Topf, es roch nach dünstenden Zwiebeln, Gemüse, und jetzt drehte er sich um, wir sahen uns an, er ruhig, wie immer, souverän, ohne Vorwurf, warum ich nicht da, warum ich so spät, du hast umgeräumt, sagte er, ich sah ihn an, er hatte schon die Untertassen und Tassen mit den stinkenden Kippen eingesammelt, die grauweißen Aschekrümel zusammengefegt, schön, ich sah ihn an, er sagte, ich dachte, ich koche etwas Österreichisch-Ungarisches, ein Gulasch, mit Zwiebeln und Knoblauch und Paprika, als Beweis und als Trost, ich antwortete nicht, ich sah ihn an, im Rücken die kalte Wand, an die ich gelehnt, die mir Halt, er drehte sich zu den Töpfen, stand im Licht, von Kopf bis Fuß, die wollene Hose, das weiße Hemd, unversehrt, ich ging zu den Fenstern, schloss die Flügel, es roch nicht mehr nach Kippen und kaltem Rauch, es roch nach glasig gebratenen Zwiebeln, nach dünstendem Gemüse, schmorendem Fleisch, ich schloss die Fenster, während mir die Tränen über die Wangen, weinte, wie ich seit Jahren nicht, wie ich noch nie geweint, und Hans kam zu mir, nahm mich in seine Arme, strich mir über den Kopf, wieder und wieder, ich spürte seine warme Haut, ich roch seinen Geruch, bis ich ruhiger, bis ich mich beruhigt, das Essen brannte an, wir mussten alles wegwerfen, später, aßen dann nur etwas Brot und tranken Tee dazu, aber wie gut schmeckten das Brot, der Tee nach all den einsamen Mahlzeiten, bei denen ich die Nudeln vom Teller geschabt, erst zu heiß, dann schon kalt, weil ich nicht allein vor dem Teller, wartend, bis sie abgekühlt, und also noch auf und ab und die Decke gefaltet und den Sessel verschoben und noch eine Zigarette, während ich von Raum zu Raum, die Asche irgendwo, und schon keinen Hunger mehr, Hans war schweigsam, aber zärtlich, als wäre ich krank, müsste man mich schonen, ich lehnte den Kopf an seine Brust, ich schämte mich und weinte immer wieder, wenn auch nicht mehr so heftig, Hans brachte mich zu Bett, er legte sich zu mir, streichelte mich, das Gesicht und die Hände, und allmählich beruhigte ich mich, konnte ich ihn wieder ansehen und dann die Augen schließen, ich wollte schlafen, nur noch schlafen, aber jetzt begann Hans zu sprechen, durch die Müdigkeit hindurch hörte ich ihn sagen, so geht es nicht, Milena, du wirst krank, wir haben es versucht, aber es geht nicht, geht so nicht, es war keine gute Idee mit der gemeinsamen Wohnung. Ich lag in seinem Arm, hielt die Augen, die schmerzten, geschlossen, lauschte, wartete, wir machen es anders, so wie früher, das war leichter für dich, du isst nicht, du schläfst nicht, du arbeitest nicht, du rauchst dich kaputt, nur wenn du nicht da bist, flüsterte ich, das Rauchen ist nur Symptom, und weil Max, weil ich das Etui von Max, aber ich werde immer wieder weg sein, eine Zeit, eine Woche, zwei Wochen, vielleicht länger, wie willst du da leben?, aber warum?, fragte ich und öffnete die Augen, und er sagte, weil es mein Beruf, aber du sagtest mal, versuchte ich, aber nein, Milena, dann müsste ich alles, aber du sagtest mal, du könntest alles, wenn ich, aber nicht meinen Beruf, mein Beruf ist mehr als ein Beruf, was mehr?, es ist wie bei dir, ich kann und will nichts anderes, er lässt sich nicht trennen von mir. Stille, in der nur mein Atem, zitternd. Und Hans’ Hände, die um meine Schultern, meine Oberarme umfasst, und jetzt hat man mir ein Angebot gemacht, auf das ich schon lange, ein Krampf, der durch den ganzen Körper, kaum noch Luft, sie brauchen jemanden, der zwischen Ungarn, Rumänien, Serbien, Kroatien hin und her geht, vermittelt, und ich habe, oder ich fort, weit über Land, habe vor, anzunehmen, leicht und frei im Gehen, hätte immer so gehen, hörte schon nicht mehr auf das, was Hans, habe schon zugesagt, gehen, verschwinden, nicht mehr gefunden, fort, hörte nicht, was Hans sagte, wiederholte nur immerzu, Hans geht fort, er geht in den Süden, nach Ungarn, Rumänien, Serbien oder Kroatien, aber ist ja egal, wohin genau, er geht fort, fort von mir, die linke Hand, die rechte Hand, der Süden, der Balkan, hörte nicht, konnte nicht mehr hören, was Hans weiter sagte, als er mich plötzlich anfuhr, hörst du überhaupt zu?, ja, ach ja?!, und was habe ich eben gesagt?, und ich wusste es nicht, und er wiederholte alles, laut und überdeutlich, als wäre ich schwerhörig, dass er ginge und wohin er ginge und warum er ginge, nein, warum er ginge nicht, und ich fragte mich, was ich ihm getan hatte, dass er mir so ins Gesicht schlug, bitte, pass auf dich auf, hah, lag da, schweigend, versuchte, nur auf das Geräusch meines Atems zu achten, auf den Wind im Schornstein, das Knacken der Scheiben in den Rahmen, Hans geht fort, dachte ich, ein paar Tage noch, Stunden noch Aufschub, Minuten, die man herunterzählt, wie betäubt von der Angst des Verlassenwerdens, Verlassenseins, und so diese letzten Tage, Stunden schon eine Qual, bitter und schneidend, schlimmer als die Abwesenheit selbst, da man immerfort an den Abschied erinnert und keine Sekunde vergeuden und die Nähe entsetzlich, da in ihr bereits die Ferne, und doch so süß, dass ich meinen Körper nicht von seinem, nicht seinen Geruch, seine Wärme an meinem Bauch, meinen Schenkeln, meiner Brust, da kam mir ein Gedanke, sehr dünn, sehr blass, ich nahm all meinen Mut zusammen, fragte, und wenn ich, und wenn du mich mitnimmst? Wie lange konnte man so im Dunkeln liegen und das Gesicht des anderen nach einem Zeichen absuchen, liegen und suchen und schweigen, während die Gedanken gegen dieses Schweigen, das nicht zu deuten, nicht zu widerlegen war, mit dem Hans sich entzog und schon fort war, ehe er noch aus der Tür. Da fragte Hans mit ruhiger dunkler Stimme, willst du das wirklich?, es bringt sehr viel Unruhe, wir wären ohne festen Ort, wie willst du da arbeiten? Und ich dachte, er will es nicht, er will nicht, dass ich mitkomme, will nicht einmal, dass wir es versuchen, warum? Und ich sagte, aber so ist es auch nicht ruhig, nicht für mich jedenfalls, und auch so kann ich nicht arbeiten, und dort würde ich etwas sehen, Länder, die ich nicht kenne, Städte, und ich dachte, und dich würde ich sehen, zum Frühstück und Mittag und Abendessen, und nachts wärst du da, neben mir, und ich könnte dich ansehen, wenn ich zweifle, und ich sagte, meinst du nicht, dass es geht? Er schwieg wieder eine Zeit, dann, ich weiß nicht, nein, ich fürchte, es wird dir zu anstrengend, einerseits zu anstrengend und andererseits zu langweilig, wir sind da ja nicht in London oder Paris oder Rom, wo du Leute treffen, dir etwas ansehen könntest, niemand von deinen Freunden, nichts, was du gewöhnt, denk nur an den einen Abend, neulich, wie sehr er dich strapaziert, und dort müsstest du Abend um Abend, jeden zweiten oder doch dritten Abend zu einem Essen hier, einem Empfang dort, oder ich müsste dich zu Hause, allein, ohne dass du ins Kino oder zu einem Freund, ohne dass du in deiner vertrauten Umgebung, auf die du so sehr angewiesen, und ich dachte, aber ich will nichts besichtigen, nur dich sehen, sooft ich will, dich sehen, dich jederzeit sehen können und also nicht sehen müssen, ohne dich sein können und arbeiten können, und also keine Langeweile, wieso Langeweile, woher, auch hier ist mir doch nicht langweilig, nie langweilig, und wie erst bei einer solchen Reise, wechselnde Orte, Landschaften, fremde Sprachen, Menschen, Aufregung und Gefahr, aber er will es nicht, dachte ich, noch sagt er es nicht, mir direkt ins Gesicht, aber ich spüre ja, dass er es nicht will. Und ich fragte, schämst du dich?, schämst du dich, dass du mich mitnehmen sollst?, dass ich nicht souverän bin und mich unter Kontrolle habe, dass ich sage, was ich denke, und zeige, was ich fühle, dass ich nicht diplomatisch, dass ich kein Heuchler bin, dass ich dir Schande mache? Er lachte, wurde aber gleich wieder ernst, als hätte er Angst, sich zu verraten, er sah mich an, nur kurz, wandte dann den Kopf. Ich forschte in seinem Gesicht, aber er sah mich nicht an, er hatte den Blick gesenkt und hielt ihn gesenkt, und ich war angespannt und dachte immerzu, was ist es?, ist es nur ein Streit, oder ist es mehr, es fühlt sich so anders an, noch nie war ich so angespannt gewesen und hatte eine solche Angst gehabt, und noch nie hatte ich gedacht, ist es das Ende? Aber dann sah er mich an, mein Herz klopfte wie irr, es waren wohl nur ein paar Augenblicke vergangen, nicht die halbe Nacht, sondern nur eine kurze Zeit, mein Mund war ausgedörrt, mein Gesicht ganz heiß, und er nahm meine Hand und fragte, und ein Kind?, würde dir ein Kind nicht helfen?, ich schluckte, wobei?, fragte ich, soll es mich trösten, wenn ich nach dir Sehnsucht habe? Er streichelte mich jetzt nicht mehr, hielt nur meine Hand, und ich wusste, ich hatte verloren, ich hatte verloren, ihn und mich und unser gemeinsames Leben, denn wenn er einen Dritten ins Spiel brachte, bedeutete es, es war ihm zu viel und reichte ihm nicht, er wollte mich mit etwas Fremdem trösten, etwas gemeinsamem Fremden zwar, aber nicht mit ihm selbst, mit seiner Anwesenheit, wie ich es brauchte, immer gebraucht hatte, er war nicht mehr bereit, ein Opfer zu bringen, meinetwegen, er würde gehen, fortgehen, und ich wünschte, er täte es nicht erst morgen früh, sondern jetzt gleich, denn wie sollten wir diese Nacht, wünschte, er müsste, wenn nicht gleich, so doch morgen früh, damit es vorbei und ich den Tag für mich, um mich wieder aufzurichten, bloß kein gemeinsames Frühstück unter dem Druck der sich ausweichenden Blicke, dem Zwang des Höflichzueinanderseinmüssens, am Abend, nachdem jeder den Tag allein, für sich, wäre es leichter, in Ruhe und ohne heftige Worte über alles zu reden, die Dinge zu ordnen, zu entscheiden, aber sicher hatte er morgen einen freien Tag, einen freien Tag für die zehn, er hatte nichts gesagt, und so wusste ich es nicht, aber wahrscheinlich war es so, es war wahrscheinlich, denn selbst bei kürzeren Reisen bekam er anschließend etwas frei, einen Tag oder doch wenigstens einen halben, und auch ein halber freier Tag bedeutete ein gemeinsames Frühstück, und ich dachte, ich weiß nicht, ob er, selbst wenn er frei hat, weiß, dass er trotzdem morgen früh gehen muss und erst am Abend zurückkommen darf, dass er morgen arbeiten muss und erst übermorgen frei nehmen kann oder besser noch nach dem Wochenende, aber ich wusste nicht mehr, ob er wusste, was ich wusste, und ob er, wenn er es wusste, danach handelte, er lag auf dem Rücken und sah an die Decke, atmete leise und ruhig, wie er immer atmete, und ich suchte unter der Decke nach seiner Hand und schob meine in seine, und so konnten wir die Augen schließen und schlafen oder versuchen zu schlafen oder so tun, als würden wir schlafen.
          Da drehte Hans sich zu mir, zog meinen Körper an seinen, dass seine Wärme in mich, die Erstarrung, Glied um Glied, sich löste, ich wurde weich, öffnete mich, wehrte ihn wieder ab, aus Angst, ihn nur umso mehr, wie denn dann, wie denn dann wieder, allein, nicht, flüsterte ich und stemmte die Hände gegen seine Brust, während mein Mund den seinen suchte, lass mich, flüsterte ich, als er seine Hände unter meinen Rücken schob, meine Hüfte anhob, geh, fort, fort, flüsterte ich, während mein Schoß zu zittern begann, dieses Zittern immer stärker wurde, bis mir schwindlig, bis ich atemlos, bis ich nur noch Weiß, bis ich um mich schlug und schrie, Hans, der aufgestanden, Hans, der hinausgegangen, Hans, der fort ist, über die Grenze, der ein Messer holt, jetzt nachdem er mich hierhergebracht, verloren, unauffindbar, in der Nacht, verschwitzt, zitternd wachte ich auf, suchte seine Hand, aber Hans lag nicht neben mir, bei mir, war aufgestanden, war fort, geträumt, nicht geträumt, war in der Küche, holte das Messer, gleich würde er wieder hier, aber er kam nicht, kam nicht mit dem Messer, es war nur ein Traum, ein Traum, flüsterte ich mir zu, die Hände locker, die Füße locker, der Kiefer locker, atmen, atmen, ist noch vor Morgen, ein Schimmer erst, der Raum noch ohne Farben, ist aufgestanden, macht Kaffee, wäscht ab, die schmutzigen Teller, das Besteck, kratzt das Verbrannte aus dem Topf, macht Frühstück so früh, weil er weiß, dass er heute nicht hier sein und bleiben darf, dass er erst am Abend, ich sah hinauf in den Himmel, der zu leuchten begann, spürte eine leichte, lichte Kraft, wollte schlafen, schlafen und vergessen, alles vergessen, was geschehen, was gesagt, wollte schlafen und dann aufstehen, stark, aber ich konnte die Augen nicht mehr geschlossen, musste jetzt gleich, hinüber in die Küche, mit eigenen Augen sehen, mich überzeugen, dass Hans wirklich da, die Teller spülte, nebenher schon der Kaffee kochte auf dem Herd, und ich sah, selbst in der noch ganz von Grau erfüllten Küche sah ich, ich hatte nicht geträumt, da war es, das Messer, in der Nacht geschmiedet, geschliffen, während ich, an seine Wärme geschmiegt, geschlafen, geatmet, ruhig, weil ich gedacht, er geht nicht, kann nicht, denn es hält ihn, wenn auch nichts sonst, mein Mund, mein Schoß, noch nie war ja so viel Süße, Verlangen, waren wir so sehr ineinander, aber jetzt sah ich, auch das, seine Zärtlichkeit, Zartheit, sein Begehren, nur Camouflage, entschieden war schon alles, war es schon lange, schon bevor er nach Hause und mit mir gesprochen, schon von Anfang an, und nur auf den richtigen Zeitpunkt hatte er noch und hatte geschlafen, hatte schlafen können, mit diesem Wissen, nicht nur die eine, die letzte Nacht, sondern alle Nächte, alle Nächte seit unserer ersten, hatte immer gewusst, dass er fortgehen würde, nicht nur zwei, drei, zehn Tage, wie zuletzt, sondern für lange, für immer, und ich sah, nicht in ein paar Tagen oder Wochen, wie ich geglaubt, sondern heute, in einer Stunde, einer halben, wenigen Minuten, das Gesicht wie vermauert, der Mund eine Klinge, während wir den Kaffee, zusammen, das letzte Mal, zählte den Rest herunter, schnell und schneller, mich überschlagend, hatte mich dennoch verzählt, schon trank er den letzten Schluck, schon ging er zur Tür, kein versiegelter Koffer diesmal, nichts, nicht mehr, als was er am Leib, ich hielt ihn am Arm, wenn er jetzt, wenn er jetzt zu mir, alles, alles wäre, wenn er mich mit, aber er wandte sich ab, wohin?, welche Sehnsucht, was treibt dich?, Hans, wie kannst du, wer bist du?, dachte ich, aber keine Antwort, kein Wort, hier, bitte nimm das, flüsterte ich, bitte, wenigstens das, damit ich mich nicht zu Tode, und gab ihm Max’ Etui, er nahm es, wog es einen Moment in der Hand, ließ es dann in die Brusttasche des Jacketts gleiten, die Augen zu Boden, ohne Kuss, letzten Gruß, und, Trianon, flüsterte ich, und sank um.

Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a- non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri- AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a- non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a- non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Voll Zauber ist dein Wesen.
          Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri- AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a- non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a- non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri- AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a- non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Durch Wunder kamst du her. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii- a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA- non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a- non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Wie sollt’ ich da genesen. Tri-a- non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri- AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a- non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a- non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-non. Tri-a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI- Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a- non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri- a-NON. Tri-AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-NON. Tri- AAAAAAA-non. Tri-a-non. Tri-TRI-Triiiii-a-non. Triiiii-a- NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri-a-non. Triiiii-a-NON. Tri-a-non. Tri-a-non. Tri. Tri. Wo fänd’ ich. Fände ich mich. Finde ich mich. Ich. Ich. Ich. Immer noch. Hier. Im Gefängnis. In das du mich. Sie. Sieh, dieses Mädchen. Die junge Frau. Die du erst zu dem, was sie jetzt. Ihre Haare gehen ihr aus, büschelweise, wenn sie sich an den Kopf fasst. Das ist zum Lachen. Sie kratzt sich. Stundenlang. Es juckt sie. Sieh. Wie komisch. Haare. Überall. Auf dem Boden. An den Wänden. Am Morgen das Kissen übersät. Wo sie jetzt. Nicht länger. Nicht länger Kratzen und Jucken, schlagende Wut gegen den eigenen Körper, Knochen und Muskeln, die krachende Angst, hinunter mit allem, Büchern und Kleidern, Gläser und Teller und Tassen zu Boden, zerfetzen, was du in der Hand, was du angehabt, was dein, verbrennen alles, alles verbrennen. Wunder. Kein Wunder. Wunden. Nam’ und Art. Fahrt. Kein Pass. Kein Name. Keine Gewalt. Gegen sich. Gegen dich. Kann sie auch. Du rufst, aber sie folgt nicht. Nicht mehr. Ist auch fortgefahren. Ha. Auf ihrem Rad, das du ihr. Aber nein. Es ist weg. Fort wie du. Unauffindbar. Sie weiß nicht mal, ob es je. Nicht mehr dort, in jener Straße, vor jenem Eingang, in dem sie gekauert. Aber wer stiehlt denn ein Rad mit einem Platten? Ja! Das bicirossa, die Morgengabe, ihr Liebespfand. Das du im Stich. Sie gezwungen, es im Stich. Und sie wieder gehorcht, sie wieder nicht ich. Gezähmt, gzähmt, gzhmt. Dabei hast du kein Leben. All deine Macht, alle Qualen aus ihr. Ha. Von wegen. Belogen. Betrogen. Ich durch dich. Der du doch gar nicht. Und sie glaubte, Rettung. Aber wie sollte? Wer stiehlt denn ein kaputtes Rad? Eine kaputte Liebe? Ein Traum. Elster und Schwan, alles Wahn. Was hast du aus ihr! Verlassen. Dabei ist sie die, die gegangen, die noch gehen konnte, kriechen, ohne Pass, Märchenreise, ach Quatsch, dabei hatte sie dich, was meinst du, du könntest mir dein Land, deine Heimat, meine was?, Hei-, Traumreise wieder?, aus der Traum, keine Hei-, bis ans Ende ihrer Tage, waren schon gezählt, auch die Stunden, Minuten, stand schon an meinem Grab, meine alte neue Heimat, nicht Illyrien, ja, ja, was wäre das für eine, in der gesagt würde, dass man, ohne angekommen, dass man, ohne abgefahren, und Selma?, Selma holt uns heute Abend, wir fahren bis zur Grenze, welcher Grenze?, nach Ungarn, du weißt, ich möchte noch einen Freund, wir haben darüber gesprochen, der Freund, der Fremde, mit dem du, was?, in morganatischer Ehe, oder mit mir, das bicirossa als Morgengabe, als Brautgeschenk, aber es ist fort, gestohlen, wie das erste, daneben der Umriss, mit Kreide gezeichnet, auf dem Gehweg, der dunkel, dunkler und dunkelgefärbter Sand, schon zusammen, schon zur Seite gefegt, niemand, der nicht dabei, keine Spur, pass auf dich auf, und du auch gestohlen, vom Fremden, fremden Freund, ich weiß, ja, ja, geliebt, wie ich ihn geliebt, Bruder, Freund, wer weiß, Bruder, da weiß man doch wenigstens, und verachtet sich nicht, kann dort nicht weg, kann dort nicht bleiben, kann nur dort schreiben, also auch nur dort leben, sich mit dem Schreiben, Nicht-Schreiben quälen, inmitten der alten, neuen Gesichter, die niemand erkennt, obwohl alle bekannt, raucht sich zu Tode, auf dem rauchenden Boden, aus dem Etui von Max, das du ihr, das sie dir, ins Jackett, noch ein Toter, der nicht an der Front, sondern sich selbst unter Beschuss, rotweißes Absperrband, wo das bicirossa, an der Ecke, nicht wir, nicht du, nicht ich, er, der Fremde, der mit mir geraucht, sich selbst, den Lauf im Mund, oder zur Seite, dunkel verfärbter Sand, ich kann ihn ebenso wenig wie du Alexander, Rache, ja, aber an wem, Beweise, hast du einen, einen Verdacht, mehr als einen Verdacht, und wieder auf die Reise, in den Süden, dabei doch der Süden hier, in mir, sieh doch das Licht, aber jetzt dunkel, alles dunkel, schwarz, und die Reise geträumt, wie so vieles in meinem Leben nur geträumt, wach geträumt, aber wahr, meine Wahrheit, auf der Rückbank von Selmas Auto, Kartons und Tüten gestapelt, Dreikönigstagsgeschenke, so die offizielle Version, Essen und Kleidung und Medikamente, du mit der Karte auf dem Schoß, so über die Dörfer, Halt vor diesem Haus, jenem Haus, Menschen kommen, nehmen eine Tüte, ein Paket, während sie die Häuser, den Männern, Frauen in die Gesichter, bis du ihr auf den Fuß, wie früher, später im Café, dabei nicht gestarrt, geschaut, geht, ein paar Schritte nur, ihre Mission, aber du willst nicht, dass sie allein, dass sie sieht, mit eigenen Augen, schickst immer jemanden mit, warum?, Chans Angst, du kaputt, weiß nicht, wie das gemeint, blickt in den Rückspiegel zu dir, bist ein bisschen blass, komm, ich gebe dir eine Tablette, und trink, musst viel trinken, aber die Tablette hilft nicht, beugt sich über den Schnee, erbricht sich, Selma bremst, springt aus dem Auto, hält sie am Arm, zurück, keinen Millimeter weiter, sonst kaputt, vor uns die Anemonen, ein ganzes Feld, was weiß sie über dich und mich, was hast du ihr?, sucht deine Augen im Rückspiegel, aber du schaust hinunter in die Karte, fragst, ist dir nicht kalt, gestern hattest du noch Fieber und heute, bitte, gib Acht, aber ihr war nicht kalt, hatte unter Pullover und Hose das Kleid, und in diesem Kleid hattest du sie, hattest deine Hände unter die hauchdünne Seide, deinen Kopf, und dein Mund hatte ihre Schenkel und ihren Schoß, hattest deine Hände auf ihren Bauch, hattest ihre Hüften, bis sie ihre Finger in deine Schultern, mit den Fäusten auf deinen Rücken, da hattest du sie gefragt, Milena, hast du, hast du je, ein Kind, sie dachte Rettung, aber keine Rettung, einer geht, eine bleibt, hout, hout, um sich zu schützen, hätte sie nicht kommen, nicht fahren dürfen, hätte sie niemals auf die Welt, nichts, was, nichts, was hilft, ich weiß, nur aus mir, auch sie nur aus mir, Milena, ohne Namen und ohne Angst, il n’y a rien à craindre, die Stimmen sangen es, ich habe es gehört, dort, im Zimmer, in das ich nicht mehr, nie mehr, man darf nicht zu Ende, bis alle tot, und nur noch die Musik, leise, dünn, und nur noch die Kinder, und alles von vorn, nicht wieder und immer wieder, zu Ende, endlich, mit dem Rasierer über den Schädel, durchs Gehirn, Gestrüpp, Geröll, kahle Berge, wenn du nicht bald zurück, findest du sie nicht mehr, die Füße im Bettbezug, Verwicklung, Verwirrung, Kampf mit der Decke, aber keine Kraft, immer weniger Kraft, weiß nicht mehr, wo, dein Gesicht, Nase, Augen, Mund, gegenwärtig, selbst die Falte über der Braue, Gedanken, Bilder, aber keine Erinnerung, erinnere mich nicht, nicht von Angesicht zu, nicht länger, nie, aber gefühlt, Gefühl, täuschend echt, als ob wirklich, sticht im Herzen, ohne Abschied, der dunkle Jackenärmel auf dem Geländer, die blasse Hand, die daraus hervor, Schritte, die Treppe hinunter, Schritte, leiser, leiser, das Klacken der Tür, die ins Schloss, erst später, zu spät, hatte gedacht, ans Fenster, sieh ihm nach, die dunkle Silhouette im Schnee, und das Fenster auf und ein Ruf, warum nicht, du wärst doch zurück, hättest doch wenigstens den Kopf, ein letztes Mal, ein letzter Blick, und hätte gewusst, ob, ob nicht, nein, nein, wir uns selbst, ich mir selbst in die Falle, hierher, kein Glück, sticht im Herzen, in der Lunge, brennt im Kopf, kann nicht, will nicht, atmen, weiter atmen, unter der Decke, unter der Erde, füßelos, beinlos, Hände, Arme fort, aber sticht, sticht immer noch, warum habe ich mir dich, war alles gut, allein, wieder allein, nein, nicht allein, habe doch einen Bruder, einen Geliebten, im Herzen, ein Kind, lebendig, nicht wie du, ein Kind, das wie mein Geliebter, mein jüngerer Bruder, mein Einundalles, ver-, im, nein, nicht, denk nicht, geh nicht dorthin, in den Süden, ins Zimmer nebenan, Tür an Tür mit dem Balkan, und immer offen, hinaus, hinein, geschmuggelt, keine Sicherheit, nie, niemals kannst du die Tür, sooft du dich auch dagegen, kein Schlüssel im Schloss, kein Riegel, um, kannst nicht, nie mehr zurück, nicht mehr von mir, von mir fort, was habe ich aus mir, lassen, niemand und nichts, nein, nein, nein, nicht länger, der Frieden, den es nie, ich würge, ich speie dich aus, die Bücher zu Boden, die Schubkästen zu Boden, Stühle und Tisch zu Boden, das Bett aufgeschlitzt, Messer!, ja!, Hans Ohnefurcht, aber ich noch viel weniger, ich ohne Angst, Ik hout!, in meiner Zelle, in die du mich, in die ich nicht mehr, nur noch hier, vor der Tür, am Boden, wo meine Haare mir Polster, trocken, warm, es geht mir gut, ha, wie gut, allein, schlich mich zur Seite, jenseits der Leinwand, auf der das Drama, perfekt ausgeleuchtetes Schlachtfeld, großes Kino, Cinemascope, bin nicht unter den Komparsen, im Abspann, bin dahinter, nicht auffindbar, unsichtbar, bin dahinterdahinter, die Fäden in der Hand, singe, Sarajevo, Trianon, was habt ihr da nur, Botschafter, Geheimnisträger, Kulturatta-, ach Quatsch, berechnet, verrechnet, Millionen Tote, und ihr euer Schäflein ins Trockene, Chrysomallos zerlegt, reines Gold, um den Hals, pass auf dich auf, abwesend, versteckt, ohne Namen am Türschild, inkognito, wenn es klopft, niemand da, keine zu Haus, kein Zuhaus, ha, eine Falle ist auch eine Zuflucht, so einfach, das Gas, das Feuer, und der Ofen, deshalb, nur deshalb, ha, wie doch alles, Kohlen, Papier, Haare, Kissen und Decke, wie das lodert, herrlich Verheerung, rote Messer! Messer!, und schwarze Messen für dich, heiliger Teufel, Hans, bis du, in den Schacht der Nacht, nichts mehr, alles zunichte, die Bücher, die Hefte, die hundert Dinge, Gedanken, Bilder, die alle falsch, zunichte, in die Kiste mit allem, mit dem Ich, alles hinein, in den Koffer, den du bei der Tür, in der Ecke, versiegelt, ohne ihn fort, fort, über die Grenze, durch die Grenze, wo immer versteckt, beinah entdeckt, eine ganze Reise, Schritt vor Schritt, ohne Abfahrt, ohne Pass, bis hierher, Chans Angst, du kaputt, ja kaputt, kaputter nicht möglich, wenn noch Schritt vor Schritt, wenn noch irgendwie, auf den Knien, gekrochen, Nirgendwoort, Berlin, da jeden Tag ein neuer Mensch, mit einer neuen Geschichte, erfunden, kein Halt, bis ich dich, auf der Brücke, dadurch Halt, dass du niemand, dass du ohne Pass, wie ich, inkognito, dass du jeden Tag eine neue Geschichte, wie ich, erzählen, erzählen, was ich nicht, Märchen, jede Nacht, komm, ich gebe dir eine Tablette, Zigarette, hast du das Etui mit dem M, nem, nem, nem, vergessen, verlassen, zurückgelassen, der Koffer, versiegelt, entsiegelt, mit den Nägeln, den Zähnen,
          ein Kasten mit Farben, ein Kleid aus Seide, ein Messer, ein Pferd, eine wilde Jagd,
          ich, Milena, M, im roten Kleid, im roten Mohnkleid, in dem du mich, ROT,
          fahre in den Süden, ins Licht,
          Mohn, Mohn im November, die Frau im Rettungswagen, die Frau auf der Krankenliege, die Frau auf der Bahre, nem, das zerfetzte, blutende Bein, das herabbaumelt, Sehnen, grellweiß, aschfahler Himmel, Gesicht, blassblaue Augen, geschlitzt, wie die Bluse, die in Fetzen über Brust und Armen, das weiße, das gelbe Fleisch, mein Gott, mein Gott, mein Gott,
          Trianon, Triiiia-,
          bäumt sich der Leib, der heiße Schoß, der verlangt, reine Elektrizität, gegen die eure nicht ankommt, flüstert, fort, fort, während der Schoß zu zittern beginnt, das Zittern immer stärker, der Schmerz verdoppelt, die Lust, bis die Spritze, und sie um sich und schreit, Hans, der aufgestanden, Hans, der hinausgegangen, Hans, der fort, über die Grenze, der ein Messer holt, jetzt nachdem er mich hierhergebracht, verloren, unauffindbar, gestoßen in die Nacht, bis die Sinne, bis sie fort, ohne Traum,
          es klart auf, es verdunkelt sich, bloß, unter der Decke, Dunkelweiß, Atem und kein Geräusch, nichts, niemand, hör auf dich, hör dir doch zu, Messer, Messer, fort, keine Messer, Nägel und Haare, Schuppen von Haut, alles ab, ab, fort und weg mit dir, unter die Erde, bist nicht mehr frisch, bist alt, grau, stinkst, Verwesung, nichts mehr, nicht mehr zusammen, zusammennehmen, verstecken, meine kahle Stelle, mein weißes Haar, die Falten um den Mund, die Wimpern, jede einzeln, heraus, ja, die Haare an den Schenkeln, die kaputten Knochen, das gesprungene Handgelenk, die verdrehten Füße, die verschorften Knie, ja, der Riss hinterm Ohr, nichts mehr verstecken, verrecken, habt ihr schon alles gesehn, die Warzen unterm Ballen, die Narben am Bein, die schiefen Schienbeine, die krummen Zehn, aber das ist bloß das Außen, wenn ihr erst hinein, die schiefgewachsenen Organe, die bleiche Lunge, das verkrumpelte Herz, die sauenge Luftröhre, voll Eiter und Blut, verstopft, und die Muskeln ein einziger Krampf, Hochspannung, zischend, falsch gelötetes Hirn, an dem Augen und Ohren und Hände, hängen, süchtig, raus, alles raus, die Gedanken, die Bilder raus, falsche Daten, falsch verkabelt, Fehlinformation, betrügen die Zentrale, zucken, flackern, Kino, dass dir die Haare zu Berge, raus, alles raus, alle Haare raus, aus, Haare und Nägel und Zähne und Wimpern und Knöchel und Knochen, raus und geschliffen, rund, rund wie Kiesel, wie eine Kugel, geschliffen, eine Zelle, perfekt, Mutter, Gebärmutter, gebären, ernähren, Höhle, Erdinneres, wenn ich doch nicht, wenn ich doch nicht, warum mein Wille, nicht,
          AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA-
          Blut fließt dahin, fort aus dem Herzen, fort aus den Adern, tropft aus Händen und Füßen, die nicht mehr zu mir, die dort, fort, die dünne Säule des Halses, nur mehr ein Strang, Kehle, das Messer, so schnell ein Schnitt, und fort, nur noch die Augen, ins Leere, das alles schließen, die Finger, die Füße, die Augen, den Mund, den Tod fressen, schlucken, verdauen, vergiftet, Ausschlag und Schmerzen, Kälte, schwer, aber immer noch da, immer noch ich, flach, zum Lachen, ein papierner Schatten, um die rechte ein Band, ein Amulett, mit zierlicher Schleife gebunden, die Füße rußig, unter der Decke hervor, um Kopf und Schultern ein Fell, ein räudiger Pelz, der Flaum elektrisch geladen, und draußen, vorm Fenster, Elstern, eine, zwei, fünf, sieben, neun, elf in einem Baum, die Päckchen, die Päckchen, alle, aus dem Koffer, gefiedert, mit dem Liebsten darin, Splittern von Holz, Bersten von Glas, kochendes Wasser aus geplatzten Rohren, brennende Haut, brennendes Haar, das Hans, Alexander, schreie, flüstere, Hans, Alexander, schwarze Lippen, schwarze Wangen, schwarze Stirn unter dem Aschehaar, nicht zu erkennen in der grellen Finsternis, zischender Dampf, schmelzendes Plastik, flüssiges Metall, strecke die Arme, hebe die Hände, Hansalexander, nem, tritt näher, tritt über die Schwelle, ein Schädel unter fressendem Schwarz, weiße Augäpfel, die auf mich, nem, mit einem Krachen schlagen die Türen zu, fliegen die Fenster davon,
          Schwärze, alle Lichter aus-

bin zurück von der Reise, aber wie hast du hierher, kein Name, nichts, keine Tür, bin gewissermaßen inkognito, bin hier und bin nicht hier, keiner weiß, und er ist, und du bist, und ich, weit, das Telefon, hast du es nicht, in der Nacht, nein, nichts, hätte ich gewusst, dass du, aber das Telefon hat nicht, doch es hat, hat mich angekündigt, ich konnte nicht eher, es ist aber auch so dunkel, alles so dunkel, und so leise der Ton, und doch hatte ich keinen Zweifel, wohin, aber ich habe dich nicht, bist von allein, bist krank, bist so dunkel, wo deine Aureole, dein Halo, dein Nimbus, den du immer, nichts mehr, verbrannte Haut, verbranntes Haar, alles schwarz, Kopf und Hals, dabei du doch immer der Helle, Hellste, mein Liebling, mein Einundalles, mein zweites Ich, jetzt sage ich es, kann ich es, da wir beide wieder wie früher unter der Decke, erinnerst du dich, in der Schwärze, in der nichts zu sehen, deshalb alles deutlich, taste über dein Gesicht, wische helle Spuren hinein, ich habe immer gefürchtet, dass in dem Maß, wie wir heranwüchsen, alles Weiß einem Schwarz weichen würde, ich hatte Beobachtungen gemacht, sah, das lodernde Blond der Kinder veraschte, das strahlende Blau des Himmels verblasste, die Wäsche vergritzte, der Schnee verrußte, die Farben der Sommerblumen verstaubten, die Zähne vergilbten, die blanken Spiegel wurden trüb, das Silber lief schwarz an, unter den Nägeln sammelte sich der Dreck, und ich dachte, wir nicht, ich und du, versteckt unter der Decke, im Schwarz, blieben wir Weiß, strahlend, aber jetzt, du, schwarze Lippen, schwarze Wangen, schwarze Stirn unterm Aschehaar, schwarz, der du doch immer hell, der Hellste, mit der Brille vor den Augen, damit ich nicht geblendet, hab all deine Päckchen, sieh, das gelbe, das grüne, ungeöffnet, und das weiße, hier ist es, sieh, hab’s gerettet, das Einzige, das ich, zusammengerollt, unter der Decke, hierher, weil ich dich, weil ich zurück, wieder heil, Weiß zu Schwarz, Schwarz zu Weiß, leuchtende Bilder, Format 20 x 30, willst du?, jetzt?, sieh, Hansalexanderich sitzend vorm Haus, auf einer Bank in der Wintersonne, allein, in einem zu großen Mantel, halb offen, schwarze Hosen, dunkler Pullover, die Haare sehr kurz geschnitten, zerzaust, weißt du noch?, weißt du noch?, und die anderen, nein, willst du sie nicht?, das gelbe, das violette, das rote?, nein, nein, nein, Duft von Himbeeren, vertropfte Milch auf dem Tisch, Gänsehaut, Erschrecken, Erstaunen, alles auf einmal, noch einmal alles in einer Sekunde, das Glück wie ein Winken, Explosion, weißt du noch?, weißt du noch?, nein, nein, wenn niemand mehr, Traum, Traum, wirklicher als die Wirklichkeit, 26 und immer 26, nicht mehr,
          du weinst, so weinen wir beide, blutige Tränen, unter der Binde hervor, mit der sie deine Augen, bevor sie dich, ich habe sie nicht, konnte nicht, habe nie mehr deine Augen, die ich so geliebt, mit denen du alles, in unserm Café, hinter der großen Scheibe, hinter der Patagonien, dein Traum, vibrierend schön, aber Feuerland, immer näher, rund um die Stadt, bis die Scheibe zersplittert, und wir mitten darin, in den Splittern, die Lungen rußig vom Qualm, die Gesichter schwarz, und fort, gerannt, kein freies Gesichtsfeld, Beobachtungsfeld, sondern Deckung, wo ist, wo hast du, das violette, das weiße, das schwarze, eine Landschaft, ein Land, menschenleer, entvölkert, verdunkelt, der Weg kaum zu sehn, gingen, gingen, gingen, krochen, vorbei an Häusern, verkohlten Fensterhöhlen, aus denen Bäume, mit frischem Grün, Frühlingsbeginn, vibrierend schön, und du wolltest, Bilder, da hab ich dich, neeeeem!,
          ging, ohne das Gehen zu spüren, ging immer weiter, ohne zu gehen, unter den Füßen dieselbe endlose Gerade, Wind und Schnee, wurde nicht heller, nicht dunkler, kein Ton, kein Geräusch, ein langer Gang mit Holzgeländer in Hüfthöhe, ein langsames Gehen diesen Gang entlang, die Hand auf dem Handlauf, bis zum trüb blickenden Fenster, einen Moment dort stehen, atmen, und wieder zurück, niemand, nichts, Zimmer 1369, weißgetüncht, Pfefferminztee und Leberwurst, Fiebermessen morgens, abends, Beruhigungstabletten wann immer nötig, rund um die Uhr, manchmal auch Spritzen, Schlaftabletten zur Nacht, nichts von Menschen, Dingen, nichts außerhalb des Wegs, alles verschwamm, löste sich auf, schwarz und weiß, ging und ging, ihre bloßen rußigen Füße kamen bis hierher,
          Schläuche in Mund und Nase, atmen, wieder, ein, aus, ruhig, ganz ruhig, eingewickelt in Tücher, gegen die Angst, ein, aus, ein, bandagiert, verschnürt, wieder verschnürt, in den Koffer, gegen den Tod, gegen die Angst, ein und dasselbe, Rettung, keine Rettung, Täuschung, ruhig, ganz ruhig, ein, aus, Festigkeit, Enge, ein, aus, die Luft reicht nicht, aus, aus, schlimmer als der Schmerz kein Schmerz mehr, löschen, auslöschen, alles, Bahnen aus Stoff, rot verfärbt, Druck auf der Brust, durchlöchert, ein, aus, Nadel, Fäden, juckende Nähte, blasse Linien am Handgelenk, ein, aus, fest, wie ein Paket, ganz ruhig, spricht nicht, behält alles für sich, die Augen verbrannt, halten nichts, blutige Tränen, was geht es Dieda an, sitzt da auf dem Stuhl, starrt, liegt da im Bett, starrt, die Hände wieder angenäht, schwarz von Erde und Blut, nein, sauber, weiß, weiße Friedlichkeit des stillen Zimmers, des Kissens, der Decke, nichts berühren, nicht schaben, nicht kratzen, nicht die Haare aus, dann schon bald neues Leder über dem Fleisch und alles gut, Dr. Holle, Dr. Hölle, Dr. Holler, reibt sich die Hände, wieder so gut wie neu, seine kalten feuchten Hände, geschmeidiges Leder, aber nicht gut, Augen und Ohren und Mund wieder offen, nachts, schreit, Hans, Gábor, Alexander, ich, hat geträumt, sagen Dieda, die gerannt kommen, gerannt kamen, nicht mehr, ach geträumt, wenn doch nur geträumt, wie leicht, dann ein Leben noch möglich, weiß schon, es ist nichts, eine Spritze, Ruhe, merkt nichts, nicht mehr als am Tag, wenn sie wach, nicht träumt und nicht schreit für Dieda, nach innen, fest verschnürt, kaum noch Atem, wieder so gut wie neu, gesund, aber reißt sich die Binden vom Arm, wieder das scharfe Metall, sengend, selig, Dieda hätten kein Brot, sichert ihr Dasein, gibt Sinn, nicht gesund, eingegipst, eine neue schneeweiße Person, vollkommen, betäubt, aus, ein, aus, aber Alexander mein Zeuge, Hans mein Zeuge, sie sind mit mir, haben mich aufgehoben gefunden, aus meinem Körper das Blut, waren über mir, in mir, verloren, rot, ein, aus, entrissen, was hat, was hat er aus uns, der Krieg, eine andere, ein neuer Mensch, ohne Träume, flashback, eine neue Person, betäubt, schreit nicht mehr, unter der Erde, aus dem Grab, das man ihr schon und aus dem sie noch einmal, Zauber, Zufall, Verrat, aber alles verloren, nur den nackten Körper, lebendig, wieder auf der Liege, angeschnallt ans Bett, der Kopf, damit nicht unter die Decke, ins Dunkel, die Nägel abgebissen, Arme und Beine fixiert, ein, aus, aus, aus-, das Zusammenkrümmen hier nicht erlaubt, hier kerzengerade, im Stehen, im Liegen, mein linkes Bein, mein rechtes Bein, mein linker Arm, mein rechter Arm, mein Kopf fixiert, konzentriert, nur die Augen gekrümmt noch, schiefer Blick in die Winkel, ihren Augen aus, glauben nicht an den Schmerz, unsichtbar, glauben nur, wenn ich tot, dass ich tot, alles weiß wie die Felder im Kinderwinter, frisch geschneit, nichts, was den Blick, so ohne Farben, wie soll man da gesund, fort, über die Grenze, gesund über wund, die Hände wieder angenäht, die Beine, der Mund, das Lächeln im Gesicht, aber die Augen schief, verraten, aus, an allen vorbei, zu Boden, die Fugen zwischen den Fliesen, das Muster des Linoleums, die Staubflocken in den Ecken, die Scheuerleistenbänder, zickzack, fiel und stand wieder auf, wieder, wieder, fiel, wieder, wieder auf, fiel, ging möglicherweise im Kreis, endloser Weg, geradeaus, über die Dörfer, nein, an den Dörfern vorbei, im Bogen, Menschen, gingen wie sie mit dünnen Mündern, hassten sie, dass sie sich gehen ließ, glaubten nicht, dass sie krank, glaubten, Simulation, um Aufmerksamkeit, glaubten, dass die Symptome bewusst, nur gespielt, dass die eigentlichen woanders, nicht erkennbar, noch nicht erkennbar, dass sie, obwohl nicht erkennbar, schon da, versteckt, mit Absicht, glaubten, wie alle, nur an die eine Wirklichkeit, die eine Unwirklichkeit, die Auslöschung ihrer Wirklichkeit, eine neue Person, glaubten nur, was sie hörten und sahen, außen, dass ich, wenn ich esse, esse, wenn ich trinke, trinke, wenn ich scheiße, scheiße, wenn ich schreie, schreie, das ins Protokoll, das Allereinfachste, schreibbar, überprüfbar, messbar, Temperatur, Blutdruck, Atemfrequenz, Puls, Farbe der Haare, Augen, Nägel, hier und jetzt, einfache, kurze Sätze, Fakten, glaubten nicht an die Gründe, Gänsehaut und der Duft von Himbeeren, Blut unter der Binde hervor,
         AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA-

am Kopfende der Tisch mit dem Metallkasten, die Haube mit den Drähten, Abblendscheinwerfer, Schritt vor Schritt, gelähmt vor Angst, aber funktionstüchtig, immer noch ein aus, eine kräftige Schwester, ein Muskelpaket, die Flugzeuge über uns, Erde, in einem grauen Kostüm, einer Art Uniform, Erster Weltkrieg, Museum, zugeknöpft bis zum Hals, aber ohne Revers, keine drei Sterne am Kragen, in deren Schatten sich die Feinde, erholen, sehr groß, eine Riesin, griff zu, weiß, weiß ja, auch sie, der Süden hier, der Balkan gleich nebenan, die linke Hand, die rechte Hand, nicht Illyrien, Syrmien, Teppich, über den zu viele Stiefel, die linke Hand, die rechte Hand, blieben leer, packten noch mal zu, hatten sie, zogen sie aus, Pullover, Rock, Wäsche, Strümpfe, bis sie nackt, salbten ihr die Schläfen, Hände wie Schraubstöcke, eiskalt, sprach ganz leise, raue Stimme, leise, aber durchdringend, schneidend, fliegen hätte man, fliegen, Chrysomallos, über die Flugzeuge, sie von oben, wieder auf der Liege, fixiert, als würde sie so, als müsste sie dann nicht, EIN AUS, die Nägel abgebissen, Arme und Beine zerkratzt, dünn, ohne Haare, ohne Nägel und Knochen, nackt, die Hände vor Brüsten und Schoß, wird sterben, darf nicht sterben, mein, so lange sie, nicht, schließt die Augen, nem, nem, geschlossene Augen, zerschossene Augen, unter der Binde, die rot von Blut, wird nicht sterben, kann nicht, nicht so leicht, kann nicht, so lange ich, ist nicht, ist da wie nie, ich, nicht mehr, kaputt, gehe, gehe, gehe, die Füße rußig, unter der Decke hervor, gehe, obwohl fixiert, die Füße fixiert, die Hände, gebunden, gehe, gehe, endlose Geraden, nichts als Wind und Sonne und Schnee, gehe im Liegen, gekrümmt, auf dem Boden, selbst das Nachthemd haben sie mir, damit ich nicht, das Laken, liege nackt auf dem Boden wie als Kind, aber ich, ich kann länger, ik hout, irgendwann mein Haar wieder, dass ich daraus, aus mir selbst den Strick, wollten dort, mit allen Mitteln, dass ich tot, hier, dass ich weiter, warum?, Zelle, finsterschwarz, mit den Wänden, auf die ich mein Leben, unser Leben, Zeile um Zeile, Wort über Wort, wieder durch, den einen Satz, den einen Namen, hundertmal, bis alles Weiß zu Schwarz, bis deine Augen nicht mehr, deine Augen hinter dem Schwarz, unnahbar nah, und wer von beiden, und beide in einem, zugleich, Weiß und Schwarz, brennende Haut, brennendes Haar, denn auch du, dabei hast du doch, dass du mich nie, dass du immer bei mir, dass ich keine Angst, aber die Erde in harten Brocken auf Kopf, Rücken, Hände, die Beine durchrast von Schmerz, unbeweglich, nicht möglich, unmöglich, das bin, war ich, meine Beine, Erbrechen, Ohnmacht, Hitze und Kälte, frostiger Brand, brauche dir nicht mehr über die Schulter, weiß, weiß ja genau, wo, nicht Illyrien, Syrmien, Teppich, über den zu viele Stiefel, Vukovar, unser Café, wo wir uns immer, Regen und Sonne, erster Schnee, Schnee, Rot, ihm, dem Fotografen, in die Augen, höre nichts, sehe nichts, 26 und immer 26, nicht mehr, das Allereinfachste, so und so, Fakten überprüfbar, die Wahrheit, welche Wahrheit, meine Wahrheit, bin allein, im abgeschlossensten Teil des Hauses, Geschlossene, zu Füßen des, nein, nein, zu meinen Füßen, Händen, Knien, nackt auf dem Boden, die Bilder darauf, die Namen, Hansalexander, auf die Wände, die weißen, schwarzen Wände, mit den Nägeln, das letzte Foto, letzte Station, ich vor dem Haus, in der Sonne, im Mantel eines Fastschontoten, der noch lachte, als wäre es endlich die Reise, von der er immer, verbrannt, alles verbrannt, bis auf das eine, auf dem nicht er, ich, er unsichtbar, mir gegenüber, diese Reise zusammen, jetzt, verbrannt, auch ich stamme von Menschen ab, aber durfte nicht, musste vergessen, zweite Geburt, aus mir, aber mein Bruder, wie meinen Bruder, den ich geliebt wie mein eigenes, mein Einundalles, vor dem Haus, durch die Wiesen, Duft von Himbeeren, Winterlicht, nicht zu erkennen, schwarz und weiß, küssende Küsse, hinter die Tür, hinaus, ich davor, wartete, wartete, bitte, pass auf dich auf, mein Gott, mein Gott, mein Gott, 26 und immer 26, nicht mehr, EIN AUS AUS, ha, das alles zum Lachen, Totlachen, nicht wahr, hahahah, die Suppe an die Wand und gegen die Sonde mit Händen und Füßen und immer wieder die Kanüle aus dem Arm, sollen sie doch, zerstochen, zesrtochen szetrochen, sterzochen, der Arm zerlöchert, die Armbeuge dunkelblaulila, hübsch, fast Hans’ Farbe, woher habt ihr, habt ihr ihn, habe ich ihn verraten, und das die Strafe, auf Verrat der Tod, ja, gerecht, nur gerecht, ich seinen Verrat auch mit dem Tod, Messer, Kugel, Strick, gevierteilt, zerhackt, ihn mit eigenen Händen erwürgt und dabei in die Augen, immer in die Augen, ihm in die Augen, einmal die Angst bei ihm, Hans Ohnefurcht, ha, ich sie los, mörderische Lust, wieder die Gänge auf und ab, immer im Kreis, die Türen verschlossen, geschlossene, ohne Klinken, die Fenster vergittert, keine Luft, egal, ob unter der Decke, unter der Dusche, Wasser atmen, ersti-, aber nie allein, immer beobachtet, die Wände schlagen Alarm, Selma hupt um fünf, um sieben, fährt dich mit Blaulicht, rund um die Uhr, EIN AUS, ist erbarmungslos, ja, Dr. Hölle, ich weiß, aber ich bin noch gar nicht müde, ik hout, werde ihr, haha, kann länger, und jetzt sag endlich, wer ist Selma?, meine ältere Schwester, das weißt du doch längst, die Riesin, nimm die Hand von meinen Augen, es ist so dunkel, wolltest du nicht schlafen?, nein, nie, nie will ich schlafen, will leben, das eigene Grab überleben, das leere Grab, das mein Grab war, das für mich bestimmte Grab, in dem ich schon gelegen, das Messer an der Kehle, den Strick um den Hals, die Kugel in der Brust, in dem mein, und du sein, ich,
          AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA-

Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut
          was sind das für Fotos hast du sie Cut und wer und wo Cut und ist da nicht Cut Cut Cut trägt, jetzt sehe ich es, Hans’ Jackett, schwarzblau, zerschlissen, zerrissen, in der Tasche, über der Brust, als ein letzter Gruß, das Etui, M-Vertauschung, Vertauschung der M, so beschützt, von vorn und von hinten, Stoff und Metall, und darunter Rot, Rot aus dem Metall, eine Hand, ein Handgelenk, rot, vom scharfen Grat, der Panzer zu dünn, nicht Silber nur Weißblech
          Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut
          verspreche, ich rauche nicht mehr, ich gesunde, meine Lunge, mein Herz, von schwarz zu weiß, der Atem, der durch alles geht, Wärme, bis zu dir, dich erhält, heiliger Odem, Erinnerung, ein, aus, ein, weiter, weiter, noch einen Schritt, noch einen, gib nicht auf, Asche, Tabakkrümel, EIN AUS EIN, die Bilder aus dem Koffer Cut die Bilder die Alexander Cut der Garten das Haus Cut Rauch Cut Menschen mit erhobenen Armen Cut Menschen mit Maschinenpistolen Cut ein Auge ein Stiefel eine Hand im Schlamm Cut Cut Cut
          Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut            Cut Cut Cut Cut Cut Cut
          Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut            Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut       Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut       Cut Cut Cut Cut Cut Cut Cut            Cut Cut Cut Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut Cut             Cut
          Cut Cut Cut Cut       Cut Cut Cut      Cut Cut Cut Cut            Cut Cut Cut Cut      Cut Cut
          Cut Cut

Wollte keinen Besuch, hatte gesagt, niemand und nichts. Hatte es schriftlich, unterschrieben, eigenhändig. Dieda und Dieunddie, niemand, M. Und jetzt, eine Hand, eine warme Hand. Stand da, neben dem Bett. Sah mich an, große graue Augen. Sie. Margót. Sah mich an. Dachte mir schon, du seist krank, nach all dem, was Rée, aber nicht ich bin krank, Milena, nicht deshalb bin ich, bist du, gekommen, ja. Ertrug es nicht, dass sie so stand, mich ansah. Sagte, setz dich. Setzte sich neben das Bett. Eine Hand, die meine, in der meine. Bis es zu viel. Geh, bitte, geh. Saß da, jeden Tag. Auch nachts. Sagte, sei ruhig, schlaf, ich bin da. Aber ich war ruhig, entsetzlich ruhig, kaputt. Das Fenster durchsichtiger und durchsichtiger. Ein Baum. Schwarzweiß. Sieben, acht, neun, nein, keine Elstern. Kahle Zweige. Kahl. Steh auf, Milena, erhebe dich, kann nicht, bin krank, du siehst ja, ja, ich sehe, kann nicht, du kannst, kann nicht, kannst. Ein. Aus. Ein. Holte Luft. Ich bin. Ich bin. Ich bin. Ich war ich. Das Laken war das Laken. Das Bett war das Bett. Meine Haut eine Mauer. Aber nicht mehr Dieunddie. Ohne Namen, ohne Körper, ohne Gesicht. Essen, trinken, waschen, gehen, sitzen, schlafen, essen, trinken, gehen, essen, schlafen, waschen, gehen. Wieder ein Gang. Stütze unterm Arm. Geländer an der Wand. Widerstand. Halt. Keine Sekunde allein. Wie ist das, woher hast du, deine Not durch meine lindern, und umgekehrt, und umgekehrt?, nur so, nur so. Unendliche Geduld. Kannst hier nicht, kann hier nicht, was?, bleiben, warum?, willst du nicht, was?, nach Hause?, kann nicht, bin krank, du siehst ja, ich sehe, kann nicht, du kannst, kann nicht, kannst. Zieh das aus, was?, zieh das aus. Aber es ist das Kleid, das mohnrote Kleid, das Feuerkleid aus dem blauen Papier, meine zweite Haut, kann nicht, kannst.
          Also gut. Wollte nicht streiten. Packten die Sachen. Auf eigenes Risiko. Die Schwestern, Dr. Holler, nicht die Hand. Stand schon draußen, wie neu. Winter, Wind, Eis und Schnee. Welcher Tag?, Mittwoch, 24. Dezember, Weihnachten?, Weihnachten, ja, wie spät?, halb elf, gehen wir?, los. Das Taxi kam, wir stiegen ein, sie saß neben mir, unsere Hüften, unsere Schultern berührten sich, fast, sagte, als ich fragte, wohin, nach Hause.
          Wir hielten vor einem Haus, standen vor einer Tür, sie schloss auf, wir gingen hinauf, hier wohnst du?, ja, seit wann?, seit einer Weile, gingen hinein. Möchtest du etwas trinken, essen, willst du dich setzen, hinlegen?, du weißt, bei mir geht es karg zu, du musst sagen, was du brauchst. Setzte mich, mit dem Rücken gegen die Tür, neben den Koffer, der auf dem Boden, du kannst da nicht, komm her, zu mir, wohin?, in die Küche, in der Küche bist du?, ja, komm her, ich habe Tee gekocht, etwas Warmes, wo?, hier in der Küche, komm, du bist noch da?, ja, bleibst?, ja, wie lange?, lange, und du auch, hier ist dein Zimmer, dein Tisch, dein Stuhl, dein Bett, ich bin nebenan, du kannst die Tür offen oder geschlossen oder angelehnt, wie du willst, du kannst jederzeit, ich sitze hier, lese, schreibe hier, schlafe hier, du kannst kommen, und noch einmal ihre Hand, warm, fest, die meine, in der meine.
          Meine Schwester, Margót, unendliche Geduld, wie ist das, woher hast du, deine Not durch meine lindern, und umgekehrt, und umgekehrt, nur so, nur so, setzte mich auf das Bett, ein, aus, Margót am Schreibtisch, ein, Lichtschein im Fenster, Dämmerung, graue Wolken über den Dächern, lebendig, heller, dunkler Dunst, immer wieder dasselbe, dasselbe anders, unendliche Schönheit, Gleichgültigkeit, aber warum in uns die Angst, der Schmerz, zum Schutz, damit wir länger, noch ein bisschen länger, Milena, der Tee, ihre grauen Augen, mir gegenüber, wenn sie aufblickt vom Buch, nach der Tasse greift, wieder zurück, lächelt nicht, nie, kann nicht lächeln, wenn von ernsten Dingen, während ich lache, laut lache, bis ich keine Luft mehr, ein, aus, ist da, jetzt der Himmel dunkler als die Hauswand, Erscheinungslicht, bleiche Schatten, Negativ, Schwarz, alles fort, alles fort, die Dinge, die nichts, an die wir uns klammern und die nichts, aber eine Hand, ein Herz, ein Augenpaar, später kocht sie, singt dabei, summt, ganz leise, Weihnacht, keine Tränen, so dünn ist unser Schutz, dass uns niemand etwas, nur wir selbst. Stehe am Fenster, die Hände auf dem Fensterbrett, auf dem weißen warmen Holz, komm, Milena, komm ins Bett, schüttle den Kopf, lasse mich führen, schließe die Augen.

Finde sie vor dem Spiegel, die Hände herabgesunken neben dem Körper. Das Gesicht zerkratzt. In dem zerfetzten roten Kleid. Auf dem Boden verstreut liegen Fotos. Sie schrickt auf. Rennt vor mir davon. In ihr Zimmer. Panik. Stemmt sich gegen die Tür. Lasse sie. Hebe die Fotos auf. Auf den Fotos sie. Vor einem Haus. Sehr jung. Wie ein Junge. Dünn. Bald wieder so, wenn die Haare nachgewachsen sind. Drückt immer noch gegen die Tür. Auf den Fotos tote Körper. Leichen. Im Schlamm. Verdrehte Arme, Beine. Die Füße nackt. Verdrehte Gesichter. Die Augen offen, starr. Leere Landschaft. Ein Feld. Grauer Himmel. Ein paar Bäume, verbrannt, zerfetzt. Unter den Fotos, auf den Dielen, ein Zigarettenetui. Mit einem Loch. Scharfer Grat. Wie durchschossen. Daneben ein eingraviertes M. Sie schreit. Hämmert gegen die Tür. Tue alles in den kleinen Koffer. Schließe ihn ab. Stelle ihn in den Schrank. Gruben ausheben, die Toten bestatten. War ein Fehler, ihn stehen zu lassen neben der Tür. War ein Fehler, aus dem Haus zu gehen. Dachte, es sei besser. Sie könne eine Weile allein. Gehe zu ihr. Klopfe. Milena. Sie drückt wie besessen die Tür zu. Schreit wieder. Setze mich vor die Tür, singe, summe. Irgendwann lässt sie los. Höre sie weinen.
          Wirft Dinge nach mir. Schlägt um sich. Das Gesicht völlig entblößt von sich. Sitzt erschöpft auf dem Boden. Kriecht ins Bett. Unter die Decke. Die Decke über dem Kopf. Den Rücken zu mir. Tagelang. Lasse das Licht immer an, eine kleine Lampe in der Ecke neben dem Bett. Die Tür angelehnt, wenn ich schlafen gehe. Liege wach. Lausche. Schlafe irgendwann ein.
          Lässt sich wieder berühren. Wasche ihr das Gesicht. Die Hände. Die Füße. Die Schnitte sind gut verheilt. Isst wieder. Schaut mich nicht an. Immer zu Boden. An mir vorbei.
          Lege ihr ein Buch neben die Matratze. Die Zeitung. Hat die Decke über dem Kopf. Buch und Zeitung bleiben unberührt. Weiß nicht, ob sie sie überhaupt gesehen.
          Sitze und halte ihre Hand. Summe. Sie wird unruhig, macht Zeichen mit den Händen. Gehe hinaus.
          Nach Wochen der erste Satz. Und wenn es nicht besser. Und wenn es nie besser. Halte ihre Hand. Sehe sie an. Antworte nicht.
          Sie will aufstehen. Ich stütze sie. Wieder, kann nicht. Du kannst. Hält sich aufrecht. Sinkt dann zusammen. Sitzt auf dem Bett. Die Hände vorm Gesicht. Flüstert, was hat der Krieg aus uns gemacht. Weint. Macht Zeichen mit den Händen. Gehe hinaus.
          Später. Legt den Kopf in meinen Schoß. Streiche ihr übers Gesicht.
          Kinderglaube. Decke überm Kopf, nicht zu sehen. Unsichtbar, unauffindbar. So dem Tod entgehen.
          Wieder tagelang im Bett ohne sich zu rühren. Mit dem Gesicht zur Wand, unter der Decke. Dann Schreie, stundenlang. Schlägt nach mir, tobt. Aber ich habe mir, ihr versprochen, kein Ruhigstellen, keine Psychopharmaka.
          Ich muss durchhalten. Halte durch.
          Lege ihr Papier und Stifte hin. Sie nimmt sie unter die Decke. Kringel, Haken, unleserliche Zeichen, Zeichen über Zeichen, nicht hintereinander, übereinander, bis das Papier schwarz.
          Sprechen nicht viel, außer dem Notwendigen, wann ich nach Hause kommen, was ich einkaufen, was ich kochen werde, was sie zu helfen hat. Stehe hinter ihr, neben ihr, wie zufällig, unbetont, mit irgendetwas beschäftigt, da und in Ruhe, lese beim Essen die Zeitung, telefoniere, sage, die Wäsche, der Abwasch, sie hilft. Bringe ihr, bevor ich zu Bett gehe, ein kaltes Nachtmahl, einen Teller Suppe, stelle sie auf den Tisch, der am Fenster, leer, bringe Tee, Nüsse, sage, das reinigt Körper und Seele, ihre Augen im Spiegel der Scheibe, nichts zu sehen, von außen, lasse sie am Fenster, gehe schlafen.

Nachts, jede Nacht, die Toten dort, auf dem Feld, mit den starren Gliedern, Augen, die Hände auf dem Fensterbrett, kalt, Schinken, Nüsse, Bouillon, krieche zu ihr, zu ihrem Körper, der ruhig und warm, lege den Arm über ihre Hüfte, liege lange, starre ins Dunkel, schließe die Augen, schlafe ein.
          Schreibe. Jede Nacht. Alles, was mir vor Augen, durch den Kopf. Keine Ordnung. Noch keine Ordnung. Dann, erschöpft, zu ihr, an ihrem Körper, ein, aus.
          Verbrenne das Papier, wenn sie nicht da. Liege da, schlafe, warte, dass sie zurück. Wir kochen, essen. Ihre strengen grauen Augen. Immer ernst.
          Weiß nicht mehr, wer ich bin. Was ich will. Lebe so. Will schreiben. Weiß, ich werde schreiben. Weiß noch nicht, wie. Ohne Sprache.
          Wieder am Fenster, hinter dem die Lichter. Die Geräusche von unten, durch die Matratze hindurch. Brutal. Suche immer das Fenster. Hinaus.
          Taste mich über den Boden, zur Tür.
          Weggehen. Nicht mehr aufgefunden werden.

Ich dachte, du bleibst hier.
          Nach all dem, was ich dir?
          Was hast du mir? Es ging dir nicht gut, und jetzt geht es dir besser, es musste ein Teufel ausgetrieben werden, und der Exorzist begibt sich mit in Gefahr, das ist klar, er darf keine Fehler machen.
          Hast du keine Fehler gemacht?
          Ich hoffe, nicht zu viele, wir werden sehen.
          In der Nacht mit dem Messer an meinem, an deinem Hals. Denkst du daran? Hast du Angst?
          Das ist das Risiko. Das ist es wert. Gehen wir raus, spazieren? Willst du?
          Ja.
          Du musst dich waschen, anziehen.
          Es ist kalt?
          Ja, kalt.
          Immer noch Winter?
          Nein, fast schon Frühling. Man kann sie schon riechen, die süße Luft. Komm.

          Aus Angst vor dem Tod sich töten. Die letzte, selbstbestimmte Tat.

          Sagte, den Schmerz nicht vermeiden, einfach dasitzen, sich selbst ruhig ansehen. So ist man eben. Nicht gegen den Schmerz leben, sondern mit dem Schmerz.
          Sagte, nicht fort mit den schmerzenden Erinnerungen. Sie betrachten, sie zu einem Teil des eigenen Lebens machen.
          Sagte, man ist nicht auf der Welt, um sich zu bessern, aber um sich zu öffnen.
          Nicht gegen, sondern mit.

Spät, Margót war schon schlafen gegangen, öffnete ich das Fenster. Setzte mich an den Tisch. Nahm ein erstes Blatt Papier, nahm das erste Blatt Papier, nahm vom Stapel das erste Blatt,

Ich klebe nicht so an der Wirklichkeit wie andere, die schreiben, die alles aus ihrem Leben nehmen, und über ihre Kindheit und ihre Familien und ihre Lieben schreiben, und die dann von diesen auch so gelesen werden, wie sie sie geschrieben haben, überprüfbar, und sie protestieren lassen, weil sie gemeint sind und sich gemeint fühlen, und sie sind gemeint.
          Ich klebe nicht so an der Wirklichkeit, ich denke mir die Dinge aus, ich denke mir die Dinge, über die ich schreibe, die ich schreibe, die ich schreibend erfinde, aus, und die Menschen auch, auch die Menschen, ich habe das seit jeher getan, als Kind und auch später, als ich noch gar nicht schrieb, aber mir schon erzählte, mir und keinem anderen, und so ist es noch, denn ich erzähle mir und erst irgendwann später den anderen, wenn das Schreiben kein Schreiben mehr ist, sondern ein Geschriebenes und zu einem Text geworden ist, und so dachte ich mir Hans aus, meinen Lebensgefährten, den Lebensgefährten, den ich brauchte, den ich nötig hatte wie nichts sonst, und Alexander, mein Alter Ego.

          denkt man sich jemanden aus, damit man es erträgt, die Erinnerungen erträgt, das Alleinsein erträgt, um morgens auf und durch den Tag, bevor man sich wieder am Abend, unter die Decke,
          eine Flucht, natürlich eine Flucht, nach vorn, fort von der Angst, gegen die Angst, der Angst auf den Fersen, atemlos, aber die einzige Möglichkeit, um auszuhalten, zu bleiben, ein, aus,

          Alexander kam zurück, er hatte nicht angerufen und sein Kommen angekündigt wie sonst immer, er kam, ich weiß nicht, woher, aus Afrika oder Südamerika oder Asien, er stand vor der Tür und sah elend aus, noch dünner als sonst, gelbliche Haut, er sah mich durch die dunklen Gläser seiner Sonnenbrille an, schob sie nicht mal in die Stirn, als er fragte, darf ich reinkommen?, dabei war es dunkel hier auf der Schwelle zwischen Treppenhaus und Berliner Zimmer. Ich ließ ihn an mir vorbei in die Wohnung, die er nicht kannte, er stellte seine Tasche gleich neben die Tür, ging dann durch alle Räume, sah sich alles genau an, während ich hinter ihm herging und in den Türen stehend wartete und ihn beobachtete, jede Geste, jeden Blick verfolgend.
          Er berührte nichts, sah nur alles genau an, als wäre er in einem Museum, dann ging er an mir vorbei in die Küche, nahm ein Glas vom Regal, füllte es mit Wasser, trank, am Fenster stehend, mir den Rücken zukehrend, so schmal in seinem fleckigen, verschwitzten Hemd. Soll ich etwas kochen, oder wollen wir essen gehen?, fragte ich, er antwortete nicht, sah mich nicht an, ich sagte, ich lade dich ein, er drehte sich um, lass uns gehen, schnell, und er nahm seine Tasche vom Boden, riss die Tür auf, ging die Treppe hinunter, ohne sich nach mir umzusehen.
          Es gibt ihn also wirklich, sagte er, ich dachte immer, du hättest ihn dir nur ausgedacht, um mich zu ärgern oder, ach, ich weiß nicht, was hast du dir dabei gedacht?, er sah an mir vorbei aus dem Fenster, durch die großen, von der Decke bis zum Boden reichenden Scheiben, in den Verkehr und die Gesichter der vorübergehenden Menschen, aber ich sah nicht mehr wie früher an ihm vorbei, mein Blick streifte nicht nur kurz über sein Gesicht, ich sah ihn an, bis er seinen Blick zu mir wandte, und ich fragte, wie hast du mich gefunden? Der Kaffee kam, und wir tranken, langsam, schweigend, und ich fragte, seit wann bist du da?, seit ein paar Stunden, und wie war die Reise?, eine Katastrophe, siehst du das nicht, wo warst du?, willst du nichts erzählen?, nein, es gibt nichts zu erzählen, und Fotos?, alles weg, meine Kamera, meine Aufnahmen, alles, aber ich bin froh darüber, denn was ich gesehen habe, will ich niemandem zeigen, der das nicht erlebt hat, und wer es erlebt hat, braucht kein Foto, wo bist du gewesen?, frage ich noch einmal, und er sieht mich an und hebt die Hände, aber sagt nichts, schweigt.

          Ich stand neben dem Tisch, besah die Blätter, begann, sie zu ordnen, sie auszubreiten über den Boden hin, ein neuer Anfang, keine Fehler, nur keine Fehler jetzt, nur die Fehler, die dann doch keine, weil aus ihnen, eine Belebung, Verwandlung, Bilder, Figuren, musste, obwohl und gerade weil es ein Anfang, wieder ein Anfang, nachdem alles zu Ende, vorsichtig,

          Wir trinken langsam unseren Kaffee aus, und als der Kellner die Tassen weggeräumt hat, nimmt Alexander seine Tasche vom Boden, kramt darin herum, holt ein unförmiges Paket hervor, in violettrotes Papier verpackt. Caput mortuum, sagt Alexander und sieht aus dem Fenster. Ich sehe ihn an. Was? Das Papier, Caput mortuum, sagt er. Was ist es?, frage ich, mach es auf, oder willst du nicht?, doch, ich will, sage ich, und beginne die Paketschnur aufzuknüpfen, es geht schwer, aber ich habe Geduld, mit so etwas habe ich immer Geduld, Alexander sieht nicht mehr hinaus jetzt, sondern zu mir, warum tust du das?, fragt er, das hast du noch nie gemacht, und, lass es, sagt er dann, nicht hier, mach es später auf, wenn wir allein sind, ich sehe ihn an, er hat wir gesagt, warum wir, und wo hätten wir allein sein können, wo sollte er überhaupt hin, zu Hans und mir?, das ging nicht, und ich fragte, was machen wir?, wo gehen wir hin? Wir können bei einem Freund schlafen, der heute Abend wegfährt, aber jetzt ist es noch zu früh, es geht erst um neun, und ich bin müde, lass uns also ins Kino gehen, da kann ich schlafen, er nahm mir das Paket aus der Hand, packte es wieder in seine Tasche und ging hinaus. Wir sahen einen Stummfilm, damit ihn die Stimmen nicht störten, Asta Nielsen als Hamlet, Alexander schlief sofort ein, die Sonnenbrille vor den Augen und den Kopf hinten auf den Sitz gelehnt und später, zur Seite gesunken, auf meiner Schulter, und ich sah diesen Film, der die Sprache durch Mimik und Gestik ersetzte und so hilflos wirkte in allem, allein, hatte Alexanders Kopf auf meiner Schulter, seinen Arm an meinem Arm, und ich wusste nicht mehr, wer ich war und in welcher Zeit.

          ich habe immer nach der, einer Lösung gesucht, ich wollte es gut machen, aber es gibt keine Lösung, man kann nur leben, leben, dachte ich, schrieb ich, weiterleben, irgendwie, schreiben, arbeiten,

          Also die ganze Reise umsonst, fragte ich, umsonst?, wieso denn umsonst?, ich meine die Fotos, die Fotos sind verloren, ja und nein, ich habe die Bilder ja im Kopf, und was ich erlebt habe, ach, Milena, ich dachte, du könntest allein sein, der einzige Mensch, außer mir, der es allein aushält, mit seiner Vielstimmigkeit zufrieden ist, den die anderen nur stören, um bei sich zu sein, der ein Gespräch führen kann, ohne ein einziges Wort zu sagen, und jetzt sehe ich, du bist wie alle, du brauchst jemanden neben dir, um dich zu spüren, als Bestätigung deiner Nase, deiner Augen, deiner Zunge, deiner Hände, jemanden, der dir sagt, wie schön das alles sei, jemanden, der deine Fragen beantwortet, obwohl du ja doch nie zuhörst und dir nichts merkst, immer in eigenen Gedanken, der dir Hintergrund gibt, damit du dich als Vordergrund fühlen kannst. Ist es nicht so?, fragte er, und ich sah ihn an und schüttelte leicht den Kopf, aber ich wusste, er würde mir nicht zuhören, in dieser Stimmung würde er überhaupt nichts hören können, und so sagte ich nur, lass uns eine neue Kamera kaufen und ein Foto machen. Und das taten wir. Wir stellten die Kamera auf die kleine Mauer hinter dem Museum, auf die Brüstung der Brücke, wo ich immer auf Hans gewartet hatte, und liefen in den zehn Sekunden, die uns bis zum Auslösen blieben, so weit weg wie möglich,

          die Verhandlungen abgeschlossen, die Hohen Gesandten abgereist, der Botschafter, der Gesandte vom Balkan, der Geschäftsträger aus Wien, aber ist dieser Krieg zu Ende, kann dieser Krieg je zu Ende, dachte ich, schrieb ich, kehre ich an die Orte zurück, um zu überprüfen, ob ich gesehen habe, woran ich mich erinnere, oder ob ich die Erinnerung erfunden, retrospektiv, Wirklichkeit erfinde, finde nicht, was ich verlassen habe, wirkliche Wirklichkeit, sondern etwas anderes, Neues, so dass ich zweifle, schon einmal hier gewesen zu sein, sehe nur diffuse Massen, keine Details, muss mich zwingen, Details zu sehen, vom Sehen zum Beobachten, zum Untersuchen überzugehen, Wirklichkeit abschaben, dokumentieren,

          die Toten dort, auf dem Feld, mit den starren Gliedern, Augen, Alexander, mein Bruder, Hans, Gábor, ich, die Toten, und ich, lebendig,

          zeichne auf, was ich erlebt, von dem Augenblick an, als ich dort floh, vor sechzehn Jahren, bis zu dem, als ich, körperlich fast völlig wiederhergestellt, nervlich aber aus einem Albtraum aufgeschreckt, schweißgebadet, von Zittern geschüttelt, das nicht zu beruhigen, während ich ungläubig die grünenden Wiesen, die Gärten, die Straßen,

          die Autos, die Bockwurst essenden Passanten, die Tauben am Alex, die friedlichen lächelnden Polizisten, herumgehe wie jemand, eine, die versucht sich zu überzeugen, dass das, was sie erlebt, und das, was sie erlebt hat, wirklich ist, wirkliche Wirklichkeit

          sitze da auf der schiefen Bank in der Sonne, in einem zu großen Mantel, halb offen, schwarze Hosen, dunkler Pullover, die Haare sehr kurz geschnitten, im Wind, allein,

          das ist die Wahrheit, meine Wahrheit,

          letztes Bild,
 

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