Mischka unterschrieb ihre Briefe oft mit »Deine Moskauer Mama«. Und wenn ich bei ihr in Moskau war, lebte ich tatsächlich bei ihr und ihrem Mann Naum und all den vielen Freunden, die jeden Abend auftauchten, wie in einer Familie, deren Oberhaupt Mischka war. Das merkte man auch daran, dass die meisten Besucher und Freunde sie siezten, während sie alle duzte; das hatte sie mit meiner Mutter gemeinsam, die machte das auch so, und das fand ich immer etwas peinlich. Doch ich hatte das Privileg, Mischka zu duzen, da ich ja ihre dotschenka, also ihr Töchterchen war und sie meine Moskauer Mama. Wie in jeder Familie gab es immer eine Menge Sorgen jeder Art, Krankheit, Tod, Trennungen, politische Verwicklungen und Ärger mit den Genossen, Vorladungen, Verbote, ja Verhaftungen. Die Wohnung war klein, aber es gab keinen Tag, an dem keine Besucher kamen.
