Jede Gesellschaft ist ein uterotechnisches Projekt; sie muss die Schonung, durch die sie selbst möglich wird, aus sich selbst heraussetzen. [...] Am eingeräumten erschlossenen und befreiten Ort lichtet sich die Welt als die unsere. Der eigene Ort wird zum Herz des Seienden oder zum Sitz der Weltseele – wobei es [...] mit dem Beiwort »eigen« in Kontexten wie diesem eine besondere Bewandtnis hat. Indem wir ihm einwohnen, steigt der auserwählte, innenhaft zentrierte Platz auf zur relevanten Welt und zeichnet sich aus als eine Region höherer Dichte und vertrauterer Helligkeit – aber auch größerer Gefährdung. Wo Menschengruppen ihren Wohn- und Lebensraum bilden, dort machen Selbstbergung, Selbstklimatisierung und Selbstrundung sich ortsschöpferisch geltend. Die Erde mag von Millionen fremder Siedlungen übersät sein – unvergleichlich ist doch zunächst und bis auf weiteres diese hier, weil sie uns beherbergt, uns ermöglicht und uns aktuell offensteht. Hier schneiden wir aus dem gleichgültigen ungemeinen Raum eine beseelte Kugel heraus, das Gemeinwesen, das wir sind: In ihr werden wir wohnen als in unserem kosmischen Quartier. Hier wissen wir, was wir meinen, wenn wir sagen, wir seien in der Welt zu Hause. Der Ausschnitt ist die Botschaft, die Sphäre ist der Sinn von Sein. (205–206)
Peter Sloterdijk: Sphären. Makrosphärologie. Band II: Globen
