Mannheim 21. April 1942
Mein liebes Gerdele! Wie Du siehst bin ich immer noch hier, aber nicht mehr lange. Heute erhielt ich Bescheid, dass die Abreise am Freitag d. 24. d. Mts. zu erfolgen hat – also in 2 Tagen. Dies ist also der letzte Brief den Du von mir von hier aus bekommst oder vielleicht überhaupt bekommen wirst. Was unser erwartet, wissen wir nicht. [...]
Jedenfalls wünsche ich Euch allen alles Gute für die Zukunft, bleibt hübsch gesund und werdet mir ordentliche Menschen. Wenn möglich bleibt schriftlich mit mir in Verbindung. Sollte es angehen, dann schreibe ich so bald als möglich und hoffe ich, dass Ihr mich nicht vergessen werdet. [...]
Sollte ich das Ende dieses Krieges noch erleben, dann ist vielleicht noch ein Schimmer der Zukunft da, z. Zt aber mit 99% Unwahrscheinlichkeit. [...]
Lernt Sprachen!! Ihr habt Eure Zukunft vor Euch – verplempert Euch nicht.
Nun also, mein Kind Gott befohlen.
Grüß bitte alle von mir und sei Du vielmals gegrüßt von deinem Papa
Annette Prosinger: Alfred Landecker. Ein deutsch-jüdisches Leben 1884–1942
