Die Ursprünge der chinesischen Alchemie sind ein Rätsel. Sie scheint ihre Wurzeln im Taoismus zu haben, Chinas religiöser Tradition, die Harmonie und Selbstverbesserung in den Mittelpunkt stellt. Der exakte Zeitpunkt, wann die Alchemie aufkam, lässt sich aber nur schwer bestimmen. Das älteste uns bekannte Beispiel für chinesische Schrift, die Orakelknochenschrift, stammt aus der Zeit um 1250 v. Chr., alles davor beruht auf mündlicher Überlieferung. Aber auch in den schriftlichen Aufzeichnungen nimmt es die chinesische Geschichtsschreibung nicht immer ganz genau – sie ist eher eine Mischung aus historischen Fakten, Mythologie und Erzählkunst. Die Geschichte jeder Dynastie folgt einem festen Schema: Die Dynastie erhebt sich »im Auftrag des Himmels«, um für Gerechtigkeit zu sorgen und ein korruptes Regime abzulösen. Mit der Zeit wird die Dynastie selbst korrupt, der Himmel schickt zum Zeichen seines Zorns Stürme, Hungersnöte und sogar Drachen. Dann greift ein Volksheld ins Geschehen ein – oft unterstützt von legendären Mächten –, stürzt das Regime, eine neue Dynastie steigt auf, und das Ganze fängt wieder von vorne an.
Kit Chapman: Die Zeit der Alchemisten. Wie die moderne Chemie erfunden wurde
